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    Institut für Musikforschung

    Konzertina-Treffen Altenplos

    Das Konzertina-Treffen in Altenplos (seit 1997)

    Das Konzertinaspielertreffen von Altenplos findet inzwischen jedes Jahr jeweils am ersten Sonntag im November statt. Eingeladen sind alle aktiven Konzertinaspieler und Liebhaber von Konzertina- und Bandonioninstrumenten aus nah und fern. Die Veranstaltung wird organisiert von der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken (Bayreuth) und hat zum Ziel, in einer familiären Atmosphäre die Konzertinaspieler, ob alt oder jung, zusammenzubringen, Kontakte unter den Musikern zu verbessern und musikalisch einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Das zum erstenmal 1995 in Trebgast, dann seit 1996 regelmäßig in Altenplos durchgeführte Treffen geht indirekt auf eine frühere Initiative von Alfred Völkel zurück, nämlich auf das oberfränkische Konzertinaspieler-Treffen vom 14. März 1980 in Helmbrechts (im Frankenwald), wo sich zum erstenmal drei Dutzend Spieler einfanden. Absicht war es, für das Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks noch einmal einen Querschnitt zu einer – wie es damals schien – verschwindenden Volksmusiktradition zu dokumentieren und festzuhalten.

    Es war vor allem die Zersplitterung der verschiedenen Bau- und Griffweisen der alten Konzertinas, die ein Umlernen von einem alten auf ein neues Instrumente erschwerte. Daneben machte sich aber das Aufkommen des modischeren und leichter zu spielenden Akkordeons bemerkbar, so dass die Konzertina seit den dreißiger Jahren mehr und mehr verdrängt wurde und auch weniger Instrumente gebaut wurden. Es schien eine Zeitlang auch so, dass die jüngere Generation kaum mehr Interesse für das Instrument aufbrachte. Das Durchschnittsalter der Spieler war entsprechend hoch. 

     

    Das Konzertina-Instrument nahm seinen Einzug in Oberfranken gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In der Umgebung von Hof und Langenbach wurden vorerst vorwiegend Konzertinas aus dem benachbarten Vogtland gespielt. Erst mit der Gründung der Konzertina-Werkstatt von Andreas Hader um 1901 in Schönfeld bei Schnabelwaid fanden oberfränkische Instrumente eine weite Verbreitung. Die Werkstatt war noch bis 1995 in Betrieb, produzierte aber in den letzten Jahren wegen der veränderten Nachfrage bereits zahlreiche Akkordeons. Da schon einige Jahre zuvor die Reparaturwerkstatt in Trebgast nach dem Tod von Georg Bauer geschlossen werden musste, machte der Verlust von Instrumentenbauern und Reparaturwerkstatt sich nachhaltig bemerkbar. Die Idee des Konzertinatreffens sollte in dieser Hinsicht auch eine erste Hilfestellung bieten, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, aber gleichzeitig auch um in gegenseitiger Hilfestellung untereinander notwendige Ansprechpartner leichter finden zu lassen.

    Bei jedem neuen Konzertinaspieler-Treffen wächst die Teilnehmerzahl kontinuierlich. Bereits in Trebgast erschienen 60 Spieler, und man musste sich fürs nächste Mal einen größeren Veranstaltungsort aussuchen. Inzwischen reisen die Konzertinaspieler nicht nur aus Franken, Thüringen und Sachsen an, sondern auch aus Städten wie Augsburg, Berlin, Hamburg, Lübeck, Nürnberg und München. Gespielt wird solistisch, zur Gesangsbegleitung, im Konzertina-Duo und –Trio und in ganzen Konzertina-Orchesterformationen. Dasselbe gilt auch vom Bandonion. Aber auch gemischte Besetzungen finden sich vor wie etwa bei der Eggenreuther Stubenmusik (Konzertina Geige, Bass), im ehemaligen Duo von Fritz Pastyrik und seiner Frau Anna (Konzertina und Zither) oder ganz spontan beim Zusammenspiel von Klarinette, Geige, Konzertina und Kontrabass oder Tuba. Daneben begeistert das Bandonionorchester von Neustadt bei Coburg das Publikum mit bis zu 10 Instrumenten.

    An Tänzen, Liedern und Melodien finden sich ein reiches Repertoire wie Walzer, Rheinländer, Marsch, Schottisch, Galopp, Dreher Ländler, Polka, Mazurka, Hopperer, Walzerlied, Wanderlied, Tyroler Gesangswalzer, Marschlied, Parademarsch, Englischer Walzer, Tango, Foxtrott, Two Step, Charakterstück, Potpourri, Schlager, Evergreen, Operettenmelodien usf. Inzwischen gibt es bereits wieder jüngere Spieler, die sich mit frischem Elan und nicht zuletzt auch auf der Grundlage von neuen Notenausgaben dem Konzertinaspiel widmen. Für "Neueinsteiger" werden Kurse an der Volkshochschule Pegnitz und Übungsabende vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege angeboten, Notenmaterialien werden bereitgestellt, größere und kleinere Treffen organisiert. Ein lokal geprägtes Revival ganz besonderer Art wächst stetig und setzt sich auf diese Weise allmählich durch. (vgl. Fränkische Volksmusikblätter 4, 1980, S. 130-36).

    Fotos: Horst Dengelmann (1997)