Intern
Institut für Musikforschung

Angklung – De 484, De 492

Gestimmtes Schüttelidiophon aus Bambus (bei Hornbostel/Sachs beschrieben als Gleitrassel, Index 112.122) aus Java, das auch auf anderen Inseln Indonesiens (Madura, Bali, Süd-Sumatra, Zentral- und Süd-Sulawesi), in Malaysia und Thailand verbreitet ist und seit den 1990er Jahren auch in Europa adaptiert wurde. Der Name angklung ist Balinesisch und ist aus den Komposita angka „Ton“ und lung "gebrochen" gebildet, wodurch der tremolierende Klang charakterisiert wird. An zwei Schnüren aufgehängte Röhrenspiele auf Java nannte Sachs 1923 tjalung (Bild rechts); vgl. Exemplar aus dem Wereld Museum Amsterdam (Wikimedia). Das vietnamsische Pendant heißt dan t'rung (vgl. MIM Brüssel: 2001.063). Vorläufer des Instruments sind einfache Bambusröhren, die wohl als Signalgeber für die Jagd verwendet wurden.

Offenbar meint der Name den einzelnen Rahmen mit den Bambusröhren, die in der oberen Häfte zungenförmig aufgeschnitten und so durch Abtragung des Materials an Rohrlänge oder Anschnitt stimmbar sind. Die Röhren, Bambusabschnitte zwischen zwei Knoten, sind innerhalb des Rahmens oben mobil an einer Querstange aufgehängt und schlagen unten wechselseitig gegen die kurzen Seiten der rechteckigen Ausschnitte im ebenfalls aus einer Bambusröhre bestehenden Basis. In einem Rahmen können zwei bis vier Röhren hängen. Das Instrument gibt es in Form varianter Klang-Spiele als Melodie-, Akkord-, Diskant- und Bassinstrumente und wird in zahlreichen Kombinationen, sowohl solistisch wie in Schulklassen oder großbesetzten Ensembles, auch mit anderen Instrumenten, gespielt. Die Spiele gibt es diatonisch oder chromatisch. Etabliert hat sich eine rhythmisch auf einer Subebene des Taktes ("Viertelnoten") differenzierte Ziffern-Notation in zwei Zeilen für rechte und linke Hand mit Taktstrichen.

2010 wurde das Angklung auf Antrag Indonesiens in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

De 484

Hersteller auf dem Originalkarton und der beiliegenden Anleitung: "SAUNG UDJO | SUNDANESE ART & BAMBOO CRAFT CENTRE | JL. PADASUKA No. 118 BANDUNG 40192 INDONESIA […]"

Kleines diatonisches Instrument (C-Dur-Tonleiter) mit je zwei Bambusrohren im Rahmen (je Grundton mit Oktave).

Gesamtmaß: 73 x 56 x 25 cm

Zubehör: "Instruction of Diatonic Angklung/Instruction for Retuning" mit zwei Songs in Ziffernnotation ("Sarinade" Song und "Burung Kakatua" Song), PDF.

Herkunft: Dr. Marion Franz und Fritz Degel (Blieskastel), Juli 2021

De 492

Hersteller auf dem Originalkarton und der beiliegenden Anleitung: "SAUNG UDJO | SUNDANESE ART & BAMBOO CRAFT CENTRE | JL. PADASUKA No. 118 BANDUNG – INDONESIA […]"

Großes chromatisches Instrument (3 Oktaven: G–g1) mit je drei Bambusrohren im Rahmen (2x Grundton und Oktave). Die Töne sind mit Bleistift im Innenkörper der zentralen Klangstäbe durchnumeriert, die Tonorte g, a, e sind mit Lack auf der Rückseite der hinteren Klangstäbe geschrieben.

Schäden: Die Schüttelrahmen sind nicht vollständig. Es fehlen 16 Töne im Diskant. Der Ton "a" ist doppelt vorhanden (hängt im Bild ganz rechts). Der Sammler hat das Instrument das Instrument nach dem Kauf wohl nicht auf Vollständigkeit überprüft.

Gesamtmaß (HBT): 217 x 180 x 45 cm

Herkunft: Dr. Marion Franz und Fritz Degel (Blieskastel), Juli 2021

Ch 27 / Ch 28: Baboo buzzers

bunkaka, gestimmte Bambusrohre (Buzzer); máai phài (Thai: ไม้ไผ = Bambus). Dioquino (2008, 107) beschreibt die Instrumente (für Indonesien) folgendermaßen: "Bambus-Buzzer sind im Norden von Luzon [der größten Insel der Philippinen] weit verbreitet, wo sie „avakkao“ (Bontok), „balingbing“, „ubbeng“ (Kalingga), „pewpew“ (Ifugao), „bilbil“, „bungkaka“, „pahinghing“, „patuaw“ (Isneg, Tingguian) und „pakkung“ (Ibaloi) genannt werden. Diese Summer werden aus einem Stück Buho-Bambus (etwa 45 cm oder länger und mit einem Durchmesser von etwa 3,5 cm) mit einem Knoten am unteren Ende gefertigt. In der oberen Hälfte des Instruments werden durch das Abschneiden der Seiten des Bambusrohrs zwei einander gegenüberliegende Zungen geformt. Der Schlitz teilt das Rohr in zwei Hälften, wodurch die Zungen in Schwingung versetzt werden, wenn das Instrument gegen den unteren Teil der Handfläche geschlagen wird. Der summende Klang lässt sich verändern, indem das kleine Loch, das in die untere Hälfte des Instruments gebohrt wurde, mit dem Daumen der Hand, die das Rohr umschließt, abgedeckt oder freigelegt wird. | Die Bewohner der Cordillera [im Norden von Luzon] nutzen dieses Instrument in erster Linie zur Unterhaltung. Es wird sowohl als Soloinstrument als auch in Ensembles gespielt. Die Kalingga verwenden ein Set aus sechs Buzzern in abgestuften Größen, um die Rhythmen der Gangsa (Gongs) nachzuahmen. Wenn die Musik auf Waldwegen gespielt wird, soll sie die dort lauernden bösen Geister vertreiben. Das Ibaloi-Pakkung wird als Soloinstrument gespielt."

Thailand, 1990er Jahre
Buho-Bambus (ein Internodium)
Mit Rattanbändern

Ch 27: Länge 55,0 cm
Durchmesser 3,4 cm
Einschnitt 22,6 cm

Ch 28: Länge 52,0 cm
Durchmesser 3,2 cm
Einschnitt 22,2 cm
Mit eingeritzten geometrischen Muster-Bändern

Beide Instrumente sind aufgrund von Austrocknung gerissen

Herkunft: Schenkung von Michael Christof (Ochsenfurt), 13. Januar 2025

Literatur: Curt Sachs: Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens […], zweite Auflage, Berlin und Leipzig:  de Gruyter 1923. – Jaap Kunst: De toonkunst van Java, Den Haag 1934. – Corazon Dioquino: Philippine Bamboo Instruments, in: Humanities Diliman 5:1-2 (Jan.-Dez. 2008), 101-113 [open access]. – Margaret J. Kartomi und Andrew McGraw: Art. Angklung, in: Lawrence Libin (Hg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments, 2nd ed., New York und Oxford: OUP 2014, Bd. 1, 102-103. – John Joseph S. Coronel: Tradition and innovation: People, places, and practices of bamboo music in the Philippines, Quezon City: University of the Philippines 2022 [Link]. 

{ow; 2025-03-24}