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Institut für Musikforschung

Sarangis – Fos 18, Fos 19, Fos 55

Die sāraṅgī ist eine gestrichene Kurzhalslaute, die sowohl in der klassischen hindustanischen rāga-Musik (Nordindien, Pakistan, Bangladesh, Nepal) wie auch in vergleichbaren Formen in regionalen Musiktraditionen, v.a. Rajastan und Nordwestindien gespielt wird. Korpus, Hals und Wirbelkasten werden aus einem Stück hergestellt, bevorzugt aus Toon-Holz. Der ausgehöhlte Korpus ist zum Teil oder ganz mit einer Hautdecke bespannt, auf der der Steg steht. Als Saitenhalter dient eine Verlängerung am Boden des Korpus. Der Hals ist bundlos. Im Wirbelkasten sitzen Flankenwirbel für die Hauptsaiten. Die besten Instrumente werden angeblich in Meerut, Uttar Pradesh, gebaut. Behandelt wird es mit Ocker, ohne Lackierung erhält es seine dunkle satte Farbe durch den Gebrauch (Sorell/Narayan 1980, 53).

Zuerst erwähnt ist die sāraṅgī im kathakośprakaraœna (1052), einer Prakrit-Sammlung von Jain-Heiligen-Legenden, zusammengetragen von Jineśvarasūri, der überliefert, dass das Instrument während des Tanzes ein kākali-Lied begleitet haben soll. 1145 erfährt man in einem anderen Jain-Traktat von zwei magischen Wesen (vidyādhara), die von den Tönen der sāraṅgī begleitet worden sein sollen. Ikonographische Belege zeigen, dass sāraṅgī-Spieler am Übergang zum 17. Jahrhundert einen Platz in der Mughal-Hofmusik gefunden hatten. Die erste bildliche Darstellung, die einen Vorläufer der modernen sāraṅgī zeigt, dem berühmten Mughal-Maler Payag zugeschrieben, wird auf 1640 datiert. Bis 1700 fand die Streichlaute weite Verbreitung als "Nachtigal unter den Instrumenten". Der saṅgītanārāyaœa, ein Musiktraktat aus Orissa, bietet eine detailreiche Beschreibung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Instrument in Dehli und Jaipur vergrößert, etwa um einen zweiten Wirbelkasten, um mehr Resonanzsaiten aufzunehmen. Gegen Ende 19. Jahrhundert erfuhr die sāraṅgī einen sozialen Abstieg als Prostituierten-Instrument. Diesem Ruf wirkte v.a. Rām Nārāyaṇ (1927–2024) entgegen, der das Instrument als Solist im Rahmen der nordindischen klassischen Musik international bekannt machte. 

Fos 55

Klassische Sāraṅgī, Indien, frühes 20. Jahrhundert

LBT 75,3 x 44,7 x 29,2
Korpus, Hals und Wirbelkasten aus einem Stück Holz (Toona ciliata).
Korpus-Länge 29,0 cm
Im Zentrum des Korpus ein längs zur Stabilisierung eingesetzter Rundstab von 1,8 cm Durchmesser
Griffteil des Halses mit eingelegter Griffleiste
Korpus ungleichmäßig eingezogen
Ziegenhautbespannung, unter dem rechten Stegfuß repariert, unter dem linken Stegfuß eingedrückt und gerissen; Loch oben links mit sich fortsetzendem Riss
Wirbelkasten ohne Aufbau
4 große Flankenwirbel für die Spielsaiten im unteren Wirbelkasten
Insgesamt 39 Resonanzsaiten
12 Wirbel für Resonanzsaiten im oberen Teil des Wirbelkastens, 11 vorderständig, 1 Flankenwirbel in der linken Seite
24 Wirbel für Resonanzsaiten in der linken Seite des Halses, vorderste Reihe auf angeschnitzter herausstehender Wirbelleiste
3 weitere Wirbel für Resonanzsaiten aus Elfenbein auf der Halsvorderseite

Haupt- und Zusatzsattel; zwei bänkchenförmige Extrasättel aus Elfenbein für die 12 aus dem oberen Wirbelkasten kommenden Resonanzsaiten
Steg mit nach links rüsselartig verlängertem Hornsteg

Saitenanhang angeschmitzt und frontal mit Elfenbeinplatte verziert
Hinter dem Saitenanhang eine Verstärkung der gerade abgeschnittenen Unterseite durch eingeschraubte gleichseitig dreieckige Messingplatte, deren Spitzen an den Korpusseiten umgeknickt sind
Steh sitzt auf Lederband

Fos 55a: Bogen mit schwarzem Rosshaar
Länge 56,0 cm

Das Instrument ist beschrieben in Dietrich/Fosshag 1992, 70 (Katalog-Nr. 22) und 192 (Nr. 125: Steg).

Herkunft: Bengt Fosshag (Rüsselsheim), Erwerb 1976 im deutschen Kunsthandel; Verkauf an die Studiensammlung Musikinstrumente & Medien am 30. August 2026.

Vergleichsobjekt: Ethnologisches Museum, Staatliche Museen Berlin Preußischer Kulturbesitz: VII c 369. 

Fos 18

Lahore

LBT 65,5 x 12,3 x 13,0 cm
Korpus, Hals und Wirbelkasten aus einem Stück Holz
Länge Korpus 24,0 cm
Länge Hals 23,1 cm
Länge Wirbelkasten 10,0 cm
Länge Aufbau (separat, pagodenförmig) 8,4 cm
Breite mit Flankenwirbeln 23,3 cm

4 Wirbelkanäle
3 Wirbel
Schlitzförmiger Einlass für die Saiten

3 gestrichene Saiten, die an einer Lochleiste am Boden des Instruments befestigt sind
10 Resonatorsaiten, gehalten von einem Haken, der ebenfalls an der Lochleiste hängt
Der oberste der 11 Resonatorwirbel ist eine Attrappe
Beweglicher Sattel

Korpus mit flachem Flankeneinzug
Der obere Rand des nach hinten abgerundeten Korpus ist mit einem Metallband verstärkt
Eisenringe im Korpus unter dem Metallband und oben am Wirbelksten, darin an Ösen ein Lederband
Fos 18a: Sarangi-Bogen (braun), Länge 59,8 cm

Das Instrument ist beschrieben bei Dietrich/Fosshag 1992, 68 [Kat.-Nr. 20]. Es wurde 1975 im deutschen Kunsthandel erworben.

Herkunft: Schenkung von Bengt Fosshag (Rüsselsheim), 9. März 2026

Fos 19

Jogiya Sāraṅgī, Uttar Pradesh oder Haryana

LBT 65,3 x 14,4 x 10,6 cm
Korpus aus einem Stück Holz
Länge Korpus 26,1 cm
Länge Hals 25,0 cm
Länge Wirbelkasten 10,3 cm
Länge Aufbau (Knopfform, separat) 3,9 cm
Breite mit Flankenwirbeln 22,4 cm

Breiter, flacher Wirbelkasten mit kleinem Einlass für die drei Saiten, deutlich abgesetzt vom schlanken, dünnwandigen Hals
Aufgelegte Verzierungen, teils erneuert

Zum Rücken hin gerader, seitlich stark eingezogener Resonator, bezogen mit Leder
Saitenanhang (Lochleiste) über die ganze Breite, mit Knochen verstärkt

Das Instrument hat keine Resonatorsaiten

Auf dem Korpus (vor Anbringung des Hautdecke, teilweise unter dieser) 3 eingenagelte Metallplättchen zur Verstärkung der taillierten Korpuswand (2 rechts, 1 links)
Bei der engen Taillierung sitzt ein Fuß des Stegs auf dem Rand, einer auf der Hautdecke
Auf dem Hals an der linken Seite Harzmasse zum Kolophonieren des Bogens
Fos 19b: Sarangi-Bogen (schwarz) mit grün gefärbten Haaren, Länge 54,1 cm

Das Instrument ist beschrieben bei Dietrich/Fosshag 1992, 68 [Kat.-Nr. 18]. Es wurde 1989 im deutschen Kunsthandel erworben.

Herkunft: Schenkung von Bengt Fosshag (Rüsselsheim), 9. März 2026

Literatur: Neil Sorell und Ram Narayan: Indian Music in Performance. A Practical Introduction, Manchester: Manchester University Press 1980. – Joep Bor: The Voice of the Sāraṅgī. An illustrated History of Bowing in India, Mumbai: National Centre for the Performing Arts 1987. – Wolf Dietrich und Bengt Fosshag: Werkzeug & Kunstwerk. Außereuropäische Lauten, Rüsselsheim und Frankfurt 1992. – Joep Bor, Neil Sorrell, Nicolas Magriel, Mireille Helffer: Sāraṅgī, in: Laurence Libin (Hg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments, Oxford und New York: OUP 2014, Bd. 4, 383-387.