Semestervitrine: Qanun
Wintersemester 2024/25
Maqam Rast
Hören Sie ein taqsim (eine rhythmisch freies Vorspiel) im maqam rast nach Rodolphe d’Erlangers La musique arabe, interpretiert von Salah Maraqa am qanun.
Maqam und Takht
Die Tonarten vieler Musikkulturen des Nahen Ostens verwenden Tonvorräte und melodische Formeln, deren Intervallstufen kleiner als ein Halbton und größer als ein Ganzton sein können. Eine solche Tonart heißt maqam, Plural: maqamat.
Charakteristisch für ein Maqam sind der Schlusston und bestimmte Zwischenstufen (sogenannte ghammaz), die im melodischen Verlauf angesteuert werden. Diese können eine Quinte aber auch eine Quarte oder Terz vom Grundton entfernt liegen. Ein Maqam wird aus jins geformt; drei- bis fünftönige Gruppen mit jeweils eigener Intervallstellung, die dem Maqam seinen melodischen Verlauf (sayr) und seine Stimmung verleihen. Charakteristische Melodiewendungen, welche individuellen maqamat eigen sind, unterscheiden verschiedene maqamat deutlich voneinander. Die Darstellung eines maqam als Tonleiter wäre demnach irreführend.
In der arabischen Musiktheorie existieren acht übergeordnete maqamat. Diese spiegeln jedoch keineswegs alle möglichen maqamat wieder. Vielmehr lassen sie sich durch Modulation miteinander kombinieren, wodurch neue maqamat entstehen. Es gibt spezifische Maqam-Systeme der arabischen, türkischen, kurdischen und iranischen Musikkulturen, die trotz Überschneidungen als eigenständig zu betrachten sind.
Die acht übergeordneten maqamat der klassischen arabischen Musik besitzen charakteristische Merkmale. So zeichnet sich maqam rast durch eine neutrale Terz (ein Intervall zwischen großer und kleiner Terz) über Grundton und Quinte aus.
Das takht (arabisch für „Podium“) ist das traditionelle Ensemble arabischer Kunstmusik. Es umfasst vier Hauptmelodieinstrumente. Dazu gehören das qanun (in der Vitrine ausgestellte Kastenzither), die oud (Kurzhalslaute), die nay (Flöte aus Schilfrohr) und die kamanjah (Geige) sowie ein Rhythmusinstrument, der riqq (kleine Rahmentrommel mit Schellenpaaren). Obwohl das takht im letzten Jahrhundert weitgehend durch moderne große Orchester ersetzt worden ist, gilt es in Ländern wie Ägypten, dem Libanon, Syrien und Jordanien noch immer als Inbegriff klassischer Musikkultur.
Zwei weitere Taqasim
Maqam 'ushshaq turki (d’Erlanger V, Nr. 55) und kurdi (d'Erlanger V, Nr. 83), auf dem Qanun vorgestellt von Salah Maraqa. (Aufgenommen am 7. Juni 2024 am Institut für Musikforschung, Domerschulstr. 13, Seminarraum 113)
Ausgestelltes Instrument: Qanun von Turhan Tezelli, Istanbul um 1990, Inv.-Nr. W 9. Gestaltung der Vitrine: Projekt des Seminars Instrumentenkunde/AV-Dokumentation im Sommersemester 2024. Text von Janice Meyendorf und Hendrik Weiß, eingesprochen von Christina Nastos und Hendrik Weiß.



