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Institut für Musikforschung

Herbert Heyde

1975 ||| Systematik von unten: Eine kybernetische und entwicklungsgeschichtliche Musikinstrumentensystematik: Herbert Heyde, Grundlagen des natürlichen Systems der Musikinstrumente, Leipzig 1975. PDF.

In Heydes Systematik verschränken sich Entwicklungsgeschichte und Kybernetik in eigentümlicher Weise. Dass die Kybernetik, eine Entwicklung der USA, in den Ostblock-Staaten adaptiert und weiterentwickelt werden konnte, verdankt sich einer politischen Doktrinwende zum Thema Automation. Ausschlaggebend dafür war Chrustschows Rede auf dem 22. Parteitag der KPDSU, eine genauere Darstellung durch Jérôme Segal ist an diesem Ort zu finden.

Die Heydesche Systematik stellt die Hornbostel/Sachs-Systematik auf den Kopf. An die Ausgangsposition rückt statt der äußerlichen Merkmalsanalyse die Analyse der funktionalen Verbindungen der Teile des Instruments. Diese Zergliederung ermöglichte einerseits eine Integration von Instrumentenbeschreibungen unabhängig von ihrer Herkunftskultur, aber auch eine Integration elektronischer Instrumente. Die Umkehrung des Top-down-Prinzips zu einem Bottom-up-Systematik eröffnet ferner die Integration offener Instrumenten-Definitionen.

Die Aufnahme war mäßig. Klaus Wachsmann (The Musical Times 118, No. 1610, April 1977, S. 303) begrüßte den kybernetischen Ansatz, sah aber den zusammengesetzten Fachwortschatz und die daraud folgende Wissenschaftssparache als didaktisch problematisch. John Henry van der Meer – Die Musikforschung 31 (1978), S. 503–303 – arbeitete die Verschränkung von Naturwissenschaft und Kulturwissenschaft als Hauptproblem heraus, sie entbirgt sich als Konflikt zwischen natur- und kulturwissenschaftlicher Entwicklung: Kulturelle Entwicklungen lassen sich nicht als "natürliche" Entwickungsschritte darstellen. Die kybernetische Annährung bewertete er, nach Abstrich der historiographischen Bedenken, positiv.