Gimbri/Guinbri, Marokko – De 84, De 93, De 94, De 96, De 640
Gimbri (auch Guinbri), كمبري (hocharab. qunbrī) – gezupfte Binnenspießlaute mit 1 bis 4 Saiten. Nordafrika. Die Gimbri ist im Speziellen (als Dreisaiter) ein Instrument der Gnawa-Bruderschaft in Marokko (ġnāwa). Der Spieß liegt auf dem Korpus auf und wird von der gespannten Decke auf den Korpus gedrückt. Die Saitenbefestigung unten im gabelartig gekerbten Ende des Spießes ist durch das kleine Schalloch unten in der Deckenbespannung erreichbar. Für die Saiten wurde früher Schafdarm verwendet, heute meist durch Nylon ersetzt.
Die marokkanische Gimbri dient der Gesangsbegleitung zusammen mit Klatschen oder dem Rhythmus der doppelseitigen Eisenklapper shkashek bzw. qarqaba. Auf dem Halsende der Gimbri sitzt eine große Metallzunge, an welcher Rasselringe angebracht sind, manchmal finden sich auch Rasselelemente an den Seiten des Resonators. Zusätzlich kann die rechte Spielerhand weitere perkussive Effekte ausführen.
Das große rechteckige Instrument gehört zu den Ritualen der (urbanen) Gnawa, einer Minderheit in Marokko. Gnawa bezeichnet zuerst und vor allem die Musik einer Sufi-Bruderschaft (tariqa), die mit Dichtung allgemein religiösen Inhalts verbunden ist, in der Vorfahren und Geister beschworen werden. Glaubensinhalte des Islams werden so mit vorislamischen Praktiken des subsaharischen Afrika, besonders aus dem alten Reich Mali, kombiniert. Gnawa gehört seit 2019 zum UNESCO Weltkulturerbe.
De 94
Marokko (?), 20. Jh.
Korpus rechteckig, Schnitt zur Tiefe halboval
LBT 86 x 18 x 12 cm
3 Saiten
De 96
Marokko (?), 20. Jh.
LBT 65 x 10 x 5 cm
Schildkrötenresonator
3 Saiten
Herkunft: Dr. Marion Franz und Fritz Degel (Blieskastel), Juli 2021
De 640
Marokko, 20. Jh.
Korpus rechteckig, Schnitt zur Tiefe: abgerundet
LBT 105 x 16 x 13
Korpuslänge 50 cm
3 Saiten, 2 lange (Mensur ca 80 cm) und eine kurze an der Halsmitte (Mensur ca. 55 cm)
Saitenbefestigung mit Schubringen aus Leder resp. Schnur
Herkunft: Dr. Marion Franz und Fritz Degel (Juli 2021)
Literatur: Mungo Park: Travels in the lnterior Districts of Africa. London 1799. – Henry George Farmer: A North African Folk Instrument, Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and lreland, 60/1 (1928), 25-31.– Wolf Dietrich und Bengt Fosshag: Außereuropäische Lauten: Werkzeug & Kunstwerk, Frankfurt a.M.: B. Fosshag 1992, 134, 148f., 172f. – Deborah Kapchan: Traveling spirit masters: Moroccan Gnawa trance and music in the global marketplace, Middletown: Wesleyan University Press 2007. – Lucy Durán and Editors, Art. Guinbri, in: Laurence Libin (Hg.), The Grove Dictionary of Musical Instruments, 2nd Ed., New York: OUP, 2014, vol. 2, 491f.
{ow; 2023-01-05/2026-04-04}



