Deutsch Intern
Institut für Musikforschung

Gamben in Fidelform – De 446, StW 58

Diese beiden "Fideln" wurden Anfang der 1970er Jahre in Instrumentenbaukursen von Karl Frank gebaut. Die (moderne) Fidel war ein Streichinstrument, das Peter Harlan in Anlehnung an die mittelalterliche Fidel 1943 erfunden hatte – als Kontrapunkt zur Trostlosigkeit der späten Jahre des zweiten Weltkriegs, mit einem schmalen aber stabilen Instrument, das im soldatischen Marschgepäck Platz finden konnte. Dieser Idee folgte der gelernte Maschinenbauingenieur Karl Frank in Mittenwald unmittelbar. Als Fidelbauer konnte Frank 1946-50 in Mittenwald beim Geigenbaumeister Johann Reiter arbeiten. 1955 fand er eine Anstellung beim Jugendhof Vlotho (Ostwestfalen), dessen Geschäftsführung er in den 1960er Jahren übernahm. Dort veranstaltete er 1963 ein einwöchiges Treffen der Fidelfreunde, bei dem Fidelbauer und -spieler mit Komponisten und Herausgebern von Fidelmusik und Pädagogen zusammenkamen und das 20-jährige Jubiläum der Erfindung der Harlan-Fidel feierten. Das Instrument wurde "den Ansprüchen der Musikauffassung der Jugendmusikbewegung auf zweierlei Weise gerecht […]: Es ist äußert leicht zu spielen (Bünde wie bei der Gitarre, Stahlsaiten), und man kann ihren Bau in Kursen […] erlernen" (Gutknecht 2015, 37). In einer Anzeige von 1952 preist Frank seine Fideln an als "Streichinstrumente von zartem silbernen Ton – Wie Gamben im Schoß zu spielen. […] Für besinnliches Musizieren, Begleitung zum eigenen Gesang | Für chorisches Zusammenspiel, auch mit Flöten, Lauten, Cembalo". Die hier gezeigten Instrumente sind Produkte von Fidelbaukursen.

De 446

Diskant-Fidel

Zettel: "MARIA REBHAHN-ROITHER | UNTER LEITUNG VON [Unterschrift] Karl Frank | MITTENWALD"

LBT 66 x 21 x 6 cm

6 Saiten

Mensur 34,5 cm

8 Bundstäbchen aus Neusilber, das erste als "Nullbund"

Herkunft: Dr. Marion Franz und Fritz Degel (Blieskastel), Juli 2021

StW 58

Alt-Fidel
Handschriftlicher Zettel: "Cornelia Kraft | Breitbrunn 1972"

LBT 74,5 x 20,5 x 8,3 cm

6 Saiten
Mensur 44,5 cm
4 separate Gitarrenwirbel

7 Bünde, in Kanälen unter dem Griffbrett geführt

Selbstbau der jugendlichen Stifterin in einem Workshop von Karl Frank

Herkunft: Zuwendung Cornelia Kraft (Herrsching), 30. Mai 2026

Literatur: Karl Frank: [Anzeige für seine Instrumente], in: Hausmusik 16 (1952), inneres hinteres Deckblatt. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe: 1963: Fideln – Temporärer Bestandteil der Bildungsarbeit im Jugendhof Vlotho: PDF. – Dieter Gutknecht: Die Wiederkehr des Vergangenen. Studien zur Geschichte der Aufführungspraxis Alter Musik, Bd. II: Entwicklung ab dem Zweiten Weltkrieg, Mainz: Schott 2015 [open access]. – 

{ow; 2023-01-10; 2026-06-04}