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    Institut für Musikforschung

    Alphorn „Waldtuter” (Holztrompete) – R 48


    Längstrompete aus Holz ("Hirtenhorn" bzw. Signalhorn) aus Südtirol, Durholzer See (Lago Valdurna), Sarntal bei Bozen. Aus der Sammlung Rück, 1956 vom Sammler erworben. Ohne Herstellervermerk.

    Einteiliges gerades Rohr aus Zirbelkiefer, zwei gleiche Hälften, in Achsenrichtung zusammengeleimt. 17 herumgewundene Nadelholzzweige stabilieren das Rohr. Kanal ausgestemmt und -geschnitzt, annähernd konisch. Keine Erweiterung am Rohrende. – Länge gesamt 136,4 cm; Kesseltiefe bis 6,1–7,5 mm; Durchmesser Außenrand 2,2 cm, Schafteingang ca. 5 mm. Schallöffnung 9,4 cm.

    Schwesterinstrument: Germanisches Nationalmuseum MIR 94.

    Bei der alpenländischen Holztrompete handelt es sich um ein Signalinstrument von Hirten, das zur Kommunikation mit Hirten auf benachbarten Bergen, mit Dorfbewohnern im Tal, auch zum Ein- und Austreiben des Viehs dient. Zum Zeitvertreib konnte mit dem Instrument, dessen Schall über mehrere Kilometer zu tragen vermag, ein Spiel zwischen den Almen begonnen werden. Vergleichbar ist die Schweizer Tiba (Graubünden), die 2010 mit einem Stafettenspiel (der Tibada) wiederbelebt wurde. 2011 zeigte das Museum Regiunal Surselva die Ausstellung "Tiba Töne – Tuns da Tibas" mit über 50 Tibas aus verschiedenem Material statt (Texttafeln hier). Vergleichbar ist ferner die ukrainische Trembita (Трембіта), die Holztrompete der Huzulen (aus Fichte). – Der europäische Verbreitungsraum der Holztrompete als Hitreninstrument ist weit, siehe z.B. die Bazuna der Kaschuben (Muzeum Ludowych Instrumentów Muzycznych w Szydłowcu, MS/S/28).

    {2018–10–29} ow