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    Institut für Musikforschung

    Kontraserpent (Deutschland um 1800) – R 42


    Deutschland (?), um 1800. Mit Löchern, ohne Klappensystem, ohne Metallstrebe.

    Der Serpent ist ein Blasinstrument mit Kesselmundstück aus der Zinken-Familie, das sich als Bass bis ins 19. Jahrhundert (in der katholichen Kirchenmusik und der Marschmusik) gehalten hat und dann aus der Mode geriet (Ablehnung in der Instrumentationslehre von Berlioz 1844). Ab dem 1970er Jahren wurde der Serpent für die historische Aufführungspraxis wiederentdeckt (Moore 1975, siehe Literatur), der französische Jazz-Musiker Michel Godard (u.a. ONJ) nutzt es prominent.

    Rohr aus Nussbaum, außen schwarz gebeizt. In einer Ebene drei u-förmige Windungen und eine kreisförmige Windung. Zwei Hälften in Richtung zur Rohrachse, ausgehöhlt und zusammengeleint, der Rohrvelauf ist durchgehend konisch, ohne Erweiterung am Schallende. Das Rohr hat keinen Lederüberzug. Eine Hülse aus Messing, zu Beginn der kreisförmigen Windung mit zusammengelöteten Rändern. Darauf die Signatur und an  den Rändern je eine eingedrehte Ringlinie. Sechs Grifflöcher, 1–3 kurz vor der Mitte der driten U-förmigen Krümmung für Finger (links 2–4); Grifflöcher 4–6 zu Beginn der kreisförmigen Windung für Finger (rechts 2–4). Stürze innen rot angestrichen. Mundstück nach Angabe von Eschler (1993) modern (Maße folgen). Eschler nimmt Kontra-B als Grunton an (nicht verifiziert).

    Maße: Rohrlänge 275,6 cm; Maximale Höhe 110, 5 cm; Durchmesser des Rohranfangs ca. 2,26 cm

    Schaden/Fehlteile: Fast durchgehender Bruch an der Leimstelle zwischen den zwei Rohrbestandteilen. Der S-Bogen als Zuführung für das Mundstück (Mundrohr) fehlt spätestens seit der Erfassung durch Eschler 1993.

    Das ausgestanzte "S" an der Messinghülse in der Mitte des Instruments kann vielleicht als Herstellersignet verstanden werden.

    Vergleichsinstrumente: Musée de la musique, E.2204; MINIM-UK, MAM: 102)

    Literatur: Alan G. Moore: "Playing the Serpent", Early Music 3 (1975), S. 21–24. Thomas J. Eschler, Die Sammlung historischer Musikinstrumente des Musikwissenschaftlichen Instituts an der Universität Erlangen-Nürnberg, Wilhelmshaven 1993, S. 16 (und Abb. 1, S. 105).

    Provenienz: Aus der Sammlung Ulrich Rück.

    {2018-10-19; ow}