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    Institut für Musikforschung

    Blockflöten (Graessel/Löhner) - N 26 bis 29, R 24

    Altblockflöte (J. A. Löhner) – R 24

    Kopf: Johann Andreas Löhner, Nürnberg, Ende 18. Jahrhundert
    SIGNATUR: Brandmarke: '[Baum] | JA. LÖHNER I A I NÜRNBERG' auf dem Kopf unterhalb des Labiums.

    Rohr aus Buchsbaum, dreiteilig. Bohrungsverlauf zum Fuß hin konisch abnehmend.
    Maße:
    Gesamte Rohrlänge: 49,3 cm
    Abstand Labium bis zum Ende des Kopfes: 12.9 cm
    Tiefster spielbarer Ton: e1

    Rohrteile: Kopf. Mittelstück und Fuß wohl Anfang 19. Jahrhundert.
    Maße:
    Länge der Rohrteile (ohne Zapfen) :
    Kopf: 19.4 cm, Mittelstück: 19,3 cm, Fuß: 10,6 cm
    Durchmesser der Rohrteile am Labium: um 2,00 cm; am Anfang des Mittelstücks: um 1.75 cm; am Ende des Mittelstücks: 1.36 cm; am Ende des Fußes: 1,17 cm. – Fuß mit starker Verengung der Außenröhre unterhalb des Profilringes am Fußanfang. Stürzenförmige Erweiterung.– Mundstück: Weiter vorstehender Schnabel am Kopf.

    Zapfenbelag aus Faden. Pflock rund, im Kopf, wohl aus Pflaume. Labium am Kopf, rechteckig. Labiumhöhe: 0.54 cm; Labiumbreite: 1,30 cm

    Ein Wulst am Ende des Kopfes. Ein aus dem Rohr gedrehter, abgerundeter Profilring, direkt über dem Labium. Eine sockelförmige
    Erweiterung mit einem obenauf aus dem Rohr gedrehten, abgerundeten Profilring vor Beginn der stürzenförmigen Erweiterung. Am Schnabel, auf dem Wulst und am Ende des Fußes, auf der stürzenförmigen Erweiterung mehrere aus dem Rohr gedrehte Grate.

    Grifflöcher: Ein hinterständiges Griffloch auf dem Mittelstück für Finger (links 1) oder für Finger (rechts 1), oberhalb des 1. vorderständigen Grifflochs liegend. 6 vorderständige Grifflöcher, in gerader Reihe. auf dem Mittelstück für Finger (links 2-4) und (rechts 2-4), oder umgekehrt. Ein seitlich in die Wandung des Fußsockels schräg gebohrtes Griffloch, durch den drehbaren Fuß entweder für Finger (rechts 5) oder für Finger (links 5).

    Schaden: dreieckiger Ausbruch im Labium.

    Provenienz: Aus der Sammlung Rück.

    Literatur:

    – Lyndesay Langwill, An index of musical wind-instrument makers, Edingburgh, V/1977, S. 108.
    – Ekkehart Nickel, Der Holzbiasinstrumentenbau in der freien Reichsstadt Nürnberg, München 1971, S. 318.
    – Eschler 1993, S. 29f.

    Blockflötensatz, Georg Graessel, Nürnberg 1922 – N 26–29

    Altblockflöten in G, Bassblockflöte in G, Große Bassblockflöte in C
    Georg Graessel, Nürnberg 1922

    Diese Blockflöten wurden 1923 von Reinhold Neupert dem gerade gegründeten Erlanger musikwissenschaftlichen Seminar gestiftet, um auch den klanglichen Zugang zu den musikalischen Denkmälern der Zeit vor Bach zu ermöglichen. Als Vorbild diente ein Satz von Hieronymus Franziskus Kinsecker (Nürnberg, um 1675) aus den Beständen des Germanischen Nationalmuseums (Signatur MI 98-104; MI 98; MI 99; MI 104). Ob auch die beiden dort vorhandenen Sopran- sowie Tenorinstrumente nachgebaut wurden, ist ungewiss. Die große Bassblockflöte ist analog hinzugefügt und nicht im Kinsecker-Satz vorhanden. Die Stimmung liegt etwa einen Halbton unter dem heutigen Kammerton. 

    Die Instrumente können als sehr frühe Zeugen für die Renaissance der Blockflöte gelten; Arnold Dolmetsch in England, wohl einer der profiliertesten und wirksamsten Vertreter der Wiederbelebung älterer Musik stellte seine Blockflöten-Nachkonstruktion 1921 vor. Unabhängig davon waren um jene Zeit in Deutschland die Musikwissenschaftler Willibald Gurlitt in Freiburg/Br. sowie Gustav Becking in Erlangen, beide Schüler von Hugo Riemann, um klangliche Rekonstruktionsversuche bemüht.

    1925 fanden die Graessel/Kinsecker-Blockflöten erstmals im öffentlichen Rahmen Verwendung, so etwa bei einem Konzert am 1. Oktober 1925 anläßlich der 55. Versammlung Deutscher Pädagogen und Schulmänner in Erlangen. Neben dem 'Collegium musicum' des Erlanger Seminars unter Gustav Becking trat auch ein von O. Dischner geleitetes Ensemble in Erscheinung. Zur Darbietung kamen unter anderem Werke von Machaut (14. Jh.) und Dufay (15. Jh.). Thomas Röder (2007) überliefert folgendes Zeugnis zu den Instrumenten: "Die Zusammenarbeit, die bei dieser Gelegenheit mit der von Studienprofessor Oskar Dischner geleiteten 'Erlanger Vereinigung zur Pflege mittelalterlicher Musik' zustande kam, kann als schönes Beispiel kultureller Ausstrahlung der Universität gelten. Werner Danckert, der bald darauf in Jena lehren sollte, erinnert sich: "Ich spielte die von Graessel erbaute Flöte in ges'. Das zweite Exemplar spielte der aus Bremen stammende Musikwissenschaftler Karl Dèzes, den ich einige Monate zuvor in die Spieltechnik eingeweiht hatte." Es waren erste Tastversuche anzustellen, vielleicht auch echte Pioniertaten auf dem Feld der noch jungen historisierenden musikalischen Aufführungspraxis zu vollbringen. An diese Zeiten erinnern die bescheidenen Objekte der Erlanger Sammlung, die überdies als die frühesten noch erhaltenen deutschen Nachbauten der modernen Blockflöten-Ära gelten dürfen."

    Provenienz: Stiftung Reinhold Neupert

    Altblockflöten N 26 und 27 (baugleich)

    Signatur (Schlagstempel): "G. GRAESSEL | NÜRNBERG" auf dem Unterstück, oberhalb des 1. Grifflochs . Rohr wohl aus Ahorn, 2-teilig. Bohrung konisch abnehmend. Rohrlänge 44,5 cm, Abstand Labium bis zum Ende des Oberstücks: 8,8 cm. Tiefster spielbarer Ton: g. Mundstück: Kurzer Schnabel am Oberstück. Labiumhöhe: 0,49 cm, Labiumbreite: 1,10 cm. Grifflöcher (alle auf dem Unterstück): 1 hinterständiges Griffloch, über dem 1. vorderständigen Griffloch liegend. 6 vorderständige Grifflöcher in gerader Reihe, 2 seitlich in die Wandung des Rohrs gebohrte Grifflöcher.

    Bassblockflöte N 28

    Signatur (Schlagstempel): "G. GRAESSEL | NÜRNBERG" auf dem Oberstück, unterhalb des Wellenprofils. Rohr aus Kirschbaum mit Windkapsel, 3-teilig. Bohrung konisch abnehmend. Rohrlänge 90.5 cm, Abstand Labium bis zum Ende des Oberstücks: 23,4 cm. Tiefster spielbarer Ton: g. Oberstück (mit Windkapsel) und Unterstück. Windkapsel mit Anblasloch an der Seite und Messingzwinge am Ende. Pflock aus Kirsche. Labium rechteckig. Labiumhöhe um 0,77 cm, Labiumbreite um 1,82 cm. Grifflöcher (alle am Unterstück): 1 hinterständiges Griffloch über dem 1. vorderständigen Griffloch liegend. 6 vorderständige Grifflöcher in gerader Reihe. Klappe: 1 zweiflügelige, offene Klappe. Deckel (mit Lederbelag) aus Messing. Fingerhebel aus Messing. Feder aus Messing. Lagerung in einer Geleitrinne und 2 Messingstegen. Tonnenkapsel aus Kirschbaum, verziert mit kreisförmig angelegten Löchern. Messingzwingen am Anfang und Ende.

    Quintbassblockflöte N 29

    Signatur (Schlagstempel): "G. GRAESSEL | NÜRNBERG" am Oberstück, in der Mitte zwischen Labium und dem ersten vorderständigen Griffloch. Rohr aus Kirsche mit Windkapsel, 3-teilig. Bohrung konisch abnehmend, zum Ende des Fußes hin sich wieder erweiternd. Rohrlänge (ohne S): 137,8 cm, Abstand Labium bis zum Ende des Oberstücks: 86,1 cm. Tiefster spielbarer Ton: c. Rohrteile: Oberstück (mit Windkapsel) und Fuß. S aus Messing mit Lippenstütze aus dunklem Horn. Windkapsel mit Steckloch in der Oberseite für das S. Am Ende eine Messingzwinge. Pflock aus Kirsche. Labium rechteckig, Labiumhöhe 1,15 cm, Labiumbreite 2,57 cm. Grifflöcher (alle auf dem Oberstück): 1 hinterständiges Griffloch, über dem 1. vorderständigen Griffloch liegend. 6 vorderständige Grifflöcher. Zweiflügelige offene Klappe. Deckel (mit Lederbelag) aus Messing. Fingerhebel und Feder aus Messing. Lagerung in einer Geleitrinne und 2 Messingstegen, Tonnenkapsel wohl aus Esche, verziert mit kreisförmig angelegten Löchern. Messingzwingen am Anfang und Ende.

    Literatur

    –Hermann Moeck: Zur "Nachgeschichte" und Renaissance der Blockflöte, in: Tibia. 1/1978, S. 20.
    – Eschler (1993), S. 30–33.
    – Thomas Röder: Blöckflötensatz, in: Udo Andraschke und Marion Maria Ruisinger (Hg.), Die Sammlungen der Universitäten Erlangen-Nürnberg, Erlangen 2007, S. 255 (Objektgeschichten).

    {SMM 2017-11-03}