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    Institut für Musikforschung

    Äolsharfen – N 11, R 50


    In seiner Phonurgia: Neue Hall- und Tonkunst beschreibt Athanasius Kircher (1602–1680) einfache und mehrfache Echos, verschiedene Flüstergalerien und "ergeht sich in langen Ausführungen über derartige Merkwürdigkeiten, die offenbar zu der damaligen Zeit das größte Interesse hatten." Im Schnittfeld von barocker sphärenharmonischer, makro- und mikrokosmischer Spekulation und akustischer Forschung steht die Erfindung der Äolsharfe, die Kircher zugeschrieben wird. Äolsharfen sind jedoch schon seit der Antike bekannt.

     

     

    Die Äolsharfe besteht aus einem Rahmen mit Resonator, zwischen dessen kurze Querleisten einige Saiten gespannt sind. Das Instrument wird in ein offenes Fenster gestellt, so daß der Zugwind an den Saiten vorbeistreicht, es gehört damit zu den Instrumenten mit indeterminierter Anregung (Heyde 1975, S. 30). Die Saiten lassen außer den Grundtönen auch die höheren Obertöne erklingen, so dass leise Melodien mit ätherischem Charakter hörbar werden. "Man kann sich eine Vorstellung von der Wirkungsweise dieses Instruments machen, wenn man sein Ohr an die Masten einer Freileitung mit gespannten Drähten legt." (Werner Lottermoser, Art. "Akustik, Geschichte", in: MGG1, Bd. 1 [1949], Sp. 214)
    Nach ihrer Bauart gehört die Äols- oder Windharfe fast immer zur Familie der Zitherinstrumente. Die Äolsharfe wird als Sinnbild für die Inspiration des Poeten ("Afflatus") gesehen (vgl. z.B. Eduard Mörikes Gedicht "An eine Äolsharfe").

    N 11

    19. Jahrhundert. Unsigniert. Gehäuse aus Fichte, Seitenzargen aus Ulme. Auf den Schmalseiten der Zargen je 2 Dübel aus Ulme zum Aufstecken des Resonanzkastens. Gehäuseöffnung nach einer Seite hin sich trichterförmig erweiternd. Gesamtlänge Gehäuse: 103,8 cm. Resonanzkasten aus Fichte, Zargen aus Rotbuche. In der sichtbaren langen Zarge 3 Schallöcher. Gesamtlänge Resonanzkasten 103,8 cm (wie Länge des Gehäuses). 4 Wirbel aus Eisen, vierkantig, gelocht. 2 Stege aus Rotbuche, beide an Höhe und Breite zu einer Seite hin abnehmend. Größte Länge der Stege 9,76 cm, größte Höhe der Stege um 1,72 cm; kleinste Höhe der Stege um 0,94 cm; größte Breite der Stege, um 1,50 cm. Schwingende Saitenlänge, um 88 cm. 

    Provenienz: Aus der Sammlung Neupert.

    R 50

    Deutschland (?); Carl Zartlieb (?); 1. Hälfte 19. Jahrhundert.
    Signatur: Auf der langen Zarge des Resonanzkastens oberhalb der Schallöcher und quer zur langen Korpusachse mit Tinte: "Carl Zartl…". Die letzten Buchstaben nicht eindeutig lesbar. Gehäuse (Fichte) aus 2 kurzen Zargen und 2 Seitenwänden. Öffnungen nach beiden Seiten hin sich trichterförmig erweiternd. Zargen an die Seitenwände geschraubt. Gesamtlänge Gehäuse: 94,0 cm; Gesamtbreite Gehäuse: 44,0 cm. – Resonanzkasten aus Decke, Boden und einer langen Zarge aus Fichte. Die kurzen Zargen aus Birne. Anstelle einer zweiten langen Zarge laufen Decke und Boden im spitzen Winkel zueinander zu und sind auf eine keilförmige Leiste aus Fichte aufgeleimt. In der langen Zarge 2 kleine Schallöcher und 1 großes rundes Schalloch. 1 Eisenspieß in der kurzen Zarge verläuft auch durch die kurze Zarge des Gehäuses. Der Resonanzkasten ist lose in das Gehäuse eingesetzt. Gesamtlänge Resonanzkasten: 91,4 cm; Gesamtbreite Resonanzkasten: 28,0 cm; größte Höhe an der langen Zarge: 7,4 cm. – Je 4 Wirbel an den kurzen Zargenseiten aus Birne mit ovaler Kopfform und einem aus demselben Stück gedrehten Zierknöpfchen am Kopfende. – Stege auf Decke und Boden an den kurzen Zargenseiten. Länge der Stege: um 23,0 cm; Breite der Stege: um 1,80 cm; Höhe der Stege: um 0.90 cm. Besaitung auf Decke und Boden je 4 Saiten aus Darm. Schwingende Saitenlänge: 78,5 cm.

    Provenienz: Aus der Sammlung Rück, wohl 1941 aus der Sammlung Paul Kaiser (Reka), Brandenburg/Havel, als Geschenk erhalten.

    Literatur: Eschler (1993), S. 60 f.