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    Institut für Musikforschung

    Pifülkas – Lo 32 bis 36


    Pifülka (auch Pifïlka; Pifilca). Kleines geschlossenes, endgeblasenes Röhrenblasinstrument ohne Grifflöcher, das von den Araukanern Süd-Zentral-Chiles und Zentral-West-Argentiniens gespielt wird (besser bekannt unter dem Namen Mapuche, wörtl. Menschen der Erde). Die Pifülka wird aus einem Stück Hartholz hergestellt, wobei ein oder zwei Kanäle gebohrt werden. Das Blasinstrument stammt aus einer Zeit lange vor der spanischen Conquista. Alte ausgegrabene einröhrige Instrumente bestehen aus Knochen, Keramik und Stein und haben oft Fisch- oder Menschengestalt. Die bauchige Mitte weist zwei Lochbohrungen auf, um das Instrument an Bänder hängen zu können. 

    Lo 32: gebranntes Rohr, max. Länge 29 cm; Rohrlänge ca. 27,5 cm. Grundfrequenz 318,8 Hz, deutliche Überblasfrequenz 1578 Hz (5. Partialton)
    Lo 33: gebohrt, max. Länge 20,7 cm; Rohr ca. 10 cm. Grundfrequenz ca. 790 Hz (und tiefer), deutliche Überblasfrequenz 2210 Hz (3. Partialton)
    Lo 34: gebohrt, max. Länge 20,5 cm; Rohr ca. 10,8 cm. Grundfrequenz ca. 725 Hz (und tiefer), deutliche Überblasfrequenz 2101 Hz (3. Partialton)
    Lo 35: gebohrt, max. Länge 20,3 cm; Rohr ca. 8,5 cm. Grundfrequenz ca. 907 Hz (unt tiefer), deutliche Überblasfrequenz 2610 Hz (3. Partialton)
    Lo 36: gebohrt (unfertig?), max. Länge 16,5 cm; Rohr ca. 3 cm. Grundfrequenz 2914 Hz.
    Alle Instrumente mit mehrfach gerissenen zwei- oder dreifarfigen Wollebändern und Abschlusskordeln (wohl aufgrund längerer Sonnenlichteinstrahlung zerstört).
    Alle aus den 1980er Jahren, Chile. 

    Auf der Pifülka kann ein Ton und durch Überblasen ein höherer Oberton hervorgebracht werden. Titiev (S. 33) schreibt, dass die neueren Pifülkas zu allen Anlässen gespielt werden, die älteren aber vor allem bei zeremoniellen Anlässen. Bei Tänzen wird der hohe Ton mit schnellem, der tiefe mit langsamem Tempo in verbindung gebracht. Grebe (S. 74 f.) beschreibt eine weitere Praxis: Die Pifülkas werden von zwei Männern periodisch alternierend gespielt, idealerweise in einem Terzabstand. Dies wird typischerweise in der Gruppe praktiziert. Zahlreiche Pifülkaspieler teilen sich in zwei alternierende Gruppen, so dass im klanglichen Resultat zwei vielfarbige Cluster miteinander abwechseln.

    Literatur:
    – Mischa Titiev: Social singing among the Mapuche, Ann Arbor: University of Michigan Press 1949 (Anthropological papers, Museum of Anthropology 2).
    – María Ester Grebe: Presencia del dualismo en la cultura y música mapuche, in: Revista musical chilena 28/126–127 (1974), S. 47–79.
    – Dale A. Olsen: Aerophones of Traditional Use in South America, with References to Central America and Mexico, in: Malena Kuss (Hrsg.): Music in Latin America and the Caribbean. An Encyclopedic History, Vol. 1: Performing Beliefs: Indigenous Poeples of South America, Central America, and Mexico, Austin, University of Texas Press 2004, S. 261–325, hier S. 269–271.

    {2014–08–28} ow