piwik-script

Intern
    Institut für Musikforschung

    Pinkullus (Rollano; Pinquillu; Pinkuyllu) – Lo 111 bis 113


    Den drei vermutlich aus Bolivien stammenden Flöten ist nach M. P. Baumann die Instrumentenbezeichnung Rollano zuzuordnen. Sie gehören zur Instrumentengruppe Pinkullu (Kernspaltflöten) – auch pinkillu, pincullo, oder pincollo. Diese Instrumentengruppe bildet zusammen mit den sikus (Panflöten) und den kenas (Kerbflöten) die drei Hauptgruppen der Flöteninstrumente Boliviens.

    Es gibt zwei verschiedene Arten der andinen Kernspaltflöten: aus Schilfrohr und aus Holz. Die Kernspaltflöten aus Schilfrohr haben drei Grifflöcher und werden einzeln, aber mit Begleitung einer Trommel gespielt. Die Kernspaltflöten aus Holz, dazu gehören die drei vorliegenden Flöten, haben fünf bis sieben, hier sechs, Grifflöcher und werden in Flöten-Ensembles gespielt. Diese Ensembles bestehen meist aus vier bis sechs unterschiedlich großen Flöten derselben Art, die zu jeweils gepaarten tara- und q’iwa-Instrumenten verflochten zusammenspielen. Dieses Zusammenspiel ähnelt dem ira-arka-Prinzip der Panflöten. Die Kernspaltflöten sind auf verschiedene Stimmregister, die durch die variierende Größe bedingt sind, verteilt, die meist in Oktav- / Quint- / Quartparallelen zueinander gestimmt sind, so dass die Melodien entsprechend in Parallelen gespielt werden.

    Diese Art der Kernspaltflöten besteht aus zwei gleichen ausgestemmten Asthälften, die in Richtung zur langen Achse zusammengeleimt sind und an einigen Stellen – in diesen Fällen an 12 (Lo 111) / 13 (Lo 112) / 15 (Lo 113) – durch gewachste Bambusblätter gefestigt werden. Diesem zusammengeleimten Ast wird ein Mundstück eingesetzt.

    Traditionell werden die Kernspaltflöten – sowohl die aus Schilfrohr, als auch die aus Holz – während des "weiblichen" Jahreszyklus (der Regensaison) gespielt. Dieser Zeitraum reicht von Allerheiligen (1.11.) bis Karneval (Februar, März). Die Kernspaltflöten werden zu agrikulturellen Ritualen gespielt: das Spielen soll Regen herbeiführen, eine gute Ernte bewirken und der Entstehung von Reif vorbeugen. Das Spielen dieser Flöten ist Männern vorbehalten, die Maße der Bassflöten erfordern lange Arme und extrem gestreckte Finger.

    Lo 111

    Grundton Fis. Länge mit Krümmung 866 mm; Labiumskante bis Kanalende 810 mm; bis erstes Griffloch 472 mm; bis letzes Griffloch 729 mm; Umfang außen ca. 30-40 mm; Kanal ca. 20-23,5 mm

    Lo 112

    Grundton spricht nicht an. Ton bei unabgedeckten Grifflöchern: c1. Länge mit Krümmung 1102 mm; Labiumskante bis Kanalende 1021 mm; bis erstes Griffloch 556 mm; bis letzes Griffloch 935 mm; Umfang außen ca. 36,2-43,5 mm; Kanal ca. 26-29,1 mm

    Lo 113

    Grundton spricht nicht an. Ton bei unabgedeckten Grifflöchern: h. Länge mit Krümmung 1137 mm; Labiumskante bis Kanalende 1065 mm; bis erstes Griffloch 579 mm; bis letzes Griffloch 968 mm; Umfang außen ca. 36-41 mm; Kanal ca. 25,2-28,3 mm

    Literatur:

    – Baumann, Max Peter: „Andean Music, Symbolic Dualism and Cosmology“, in: Cosmología y Música en los Andes, hrsg. von Max Peter Baumann, Madrid 1996, S. 15-66.

    – Ders.: „Bolivien“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, zweite, neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Sachteil, Bd. 2, Kassel u. a. 1995, Sp. 7–23.

    – Ders.: „Music and Worldview of Indian Societies in the Bolivian Andes”, in: Performing Beliefs: Indigenous Peoples of South America, Central America, and Mexico, hrsg. von Malena Kuss ( = Music in Latin America and the Carribean. An Ecyclopedic History, Bd. 1), Texas 2004, S. 101–122.

    – Institución Nacional de Cultura (Hrsg.), Mapa de los Instrumentos Musicales de Uso Popular en El Peru. Clasificación y ubicación geográfica. Lima: Oficina de Música y Danza, 1978. (Insb. S. 241–243: Pinquillo, Pinuyllo.)

    – Stobart, Henry: Pinkullu, in: Oxford Music online. Grove Music Online (2001), hrsg. von Stanley Sadie, http://www.oxfordmusiconline.com:80/subscriber/article/grove/music/21770, 2015.

    – Turino, Thomas: „Local Practices among the Aymara and Kechua in Conima and Canas, Southern Peru”, in: Performing Beliefs: Indigenous Peoples of South America, Central America, and Mexico, hrsg. von Malena Kuss ( = Music in Latin America and the Carribean. An Encyclopedic History, Bd. 1), Texas 2004, S. 123-144.

    {2016-02-08; Bettina Zeidler}