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    Institut für Musikforschung

    Hohner Organetta (1958) – Ate 2

     

    Die Hohner Organetta aus den 1950er Jahren lässt sich mit der Bezeichnung einer "Tischorgel" für den häuslichen Gebrauch beschreiben. Sie zählt unter den Aerophonen zur Familie der Harmonika- und Durchschlagszungen-Instrumente und wird somit auf die Mechanik bezogen ihrem Titel nur zum Teil gerecht, da die Tonerzeugung zwar wie bei einer Orgel durch eine Luftzirkulation erfolgt, jedoch diese über Stimmzungen und nicht über Pfeifen geleitet wird.

    Im Vergleich zu ihren Vorgängern wird der benötigte Luftstrom der Hohner Organetta nicht, wie beispielsweise bei der Physharmonika oder dem Harmonium durch Betätigung eines Fußpedals zur Lufterzeugung durch einen sich öffnenden und wieder schließenden Balgs (vgl. Akkordeon), oder wie bei der Melodica oder Harmonetta durch Hineinblasen des Spielenden erzeugt, sondern erfolgt mithilfe eines mit 220 Volt Netzspannung betriebenen Elektromotors, der an der Unterseite des Instrumentes verbaut ist und wie ein Fön die Luft von außen in den Korpus hineinsaugt und durch Betätigung der Tasten wieder durch die Stimmzungen hinauslässt.

    Der Tonvorrat der Organetta erstreckt sich über 29 Töne vom f bis a² und findet sich auf einer Klaviatur mit relativ enger Tastenmensur auf einem mit Kunststoff umrahmten Holzkorpus wieder. Auf der Unterseite des Instrumentes findet man neben der Seriennummer, Produktinformationen, Motor und Luftabfuhr frontseitig einen Schieberegler, mit dessen Hilfe der ausgehende Luftstrom des Motors verringert bzw. vergrößert werden kann, womit es dem Spieler ermöglicht wird, die ausgehende Lautstärke zu verändern. Auf der Oberseite ist über der Klaviatur eine Ziffernleiste angebracht, welche zusammen mit der beiliegenden Spielanleitung zum eigenständigen Erlernen des Instruments dient.

    DBGM (Deutsches Bundes-Gebrauchsmuster) 1733 159. Seriennummer: 61341.

    Die Hohner Orgenetta reiht sich mit ihrer Funktionsweise bezogen auf die Tonerzeugung an Instrumente wie dem Harmonium, der Physharmonika, dem Akkordeon, der Mundharmonika, der Mundorgel und dem Ariston (Organetten) an und zählt damit zu den Harmonikainstrumenten. Betrachtet man jedoch Form und Tonerzeugung mittels Elektromotors könnte man die Frage stellen, inwiefern Organetta und frühe Formen des Keyboards in Beziehung stehen.

    Maße:
    Gesamt: Höhe: 13,5cm, Breite: 40 cm, Tiefe: 24 cm;
    Korpushöhe ohne Beine: Höhe: 6,5 cm; Tastatur: 30 cm;
    29 Tasten, Tastenmensur: weiß: 16,75 mm, schwarz: 6,75 mm;
    kleines Notenpult zum Hochklappen mit rückklappbarer Stütze: Breite: 40 cm, Höhe: 10 cm

    Korpus lackierte Fichte, Notenständer lackiertes Blech. Beine aus goldlackiertem Blech mit grauen Abschlusspfropfen (einer fehlt).

    Beim Objekt: (a) Originaler Produkt- bzw. Transportkarton, teilausgekleidet bzw. gepolstert mit grünem Filz. (b) Beidseitig bedruckter Kartonstreifen zum Auflegen auf das Pültchen, auf der einen Seite mit einer Erläuterung des Tonvorrats, auf der anderen mit Spielhinweisen und -übungen sowie einem "Image"-Foto, aus dem das avisierte Zielpublikum (die nichtprofessionell musizierende Hausfrau) erschlossen werden kann.

    Vorläufer: Physharmonika, Harmonium, Ariston/Organette 

    Vergleichsinstrumente: Koestler Harmophon, Hohner Electra Melodica, Hohner Organa 11, Bontempi 9 Electric Chord Organ

    Vgl. auch: Paris, Cité de la Musique, Inv.-Nr. E.2014.1.1,

    Provenienz: Aus dem ehemaligen Bestand des Studios von Werner Meyer-Eppler, Institut für Phonetik, Universität Bonn.

    {2018-03-12; Denis Weidner; Fotos: Oliver Wiener}