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    Institut für Musikforschung

    II. Aufnahmen Erhard Schulz: Bianu

    Bianu

    Eines der wichtigsten Feste im muslimischen Afrika ist das bianu. Dieses Fest wird in der Agadez gefeiert und markiert den Beginn eines neuen Mondjahres nach dem islamischen Kalender. Das Hauptereignis des gesamten Festes bildet der Umzug von zwei Tuareg-Gruppen durch die Straßen Agadez.

    Eine Gruppe zieht vom Westen in die Stadt ein, während die andere vom Osten kommt. Tausende Menschen – Kinder, Musiker und Tänzer – schließen sich an, schreien, grunzen, singen, tanzen und schlagen mit kurzen hölzernen Schlägeln auf kleine einfellige Rahmentrommeln (siehe Abb. 5). Diese Rahmentrommeln heißen iǝkänzaman (Sg. ǝkänzam) und gelten als rituelle Instrumente.

    Verkleidet, unter einer bärtigen Maske versteckt und mit allem möglichen Hausrat behängt, marschiert eine närrische Gestalt namens Moussa-Bala vor dem Menschenstrom her. Ihre Aufgabe ist es, die anwesenden Kinder zu unterhalten. Der Prozession mit den Regimentsbannern eilen Männer im Gänsemarsch voraus. Sie führen einen ritualisierten Wettkampf durch, bei dem die Männer sich bemühen, einander in Stil und Kraft auszustechen.

    Das Fest dauert drei Tage an. Während dieser Zeit suchen die Feiernden die große Moschee von Agadez auf. Sie marschieren zum Sitz des Oberstrichters (kadi; arab. qāḍī), zum Haus des großen Imams und den Residenzen wichtiger marabouts, um ihnen Tribut zu entrichten. Am dritten Tag treffen sich beide Gruppen beim Palast des Sultans von Agadez, um ihm zu huldigen und Neujahresgrüße und -wünsche zu überbringen. Als der oberste religiöse Führer der Muslime in der Region kümmert sich der Sultan um die religiösen Belange und das spirituelle Befinden seiner Untertanen. Den Abschluss des bianu kündigt das rituelle Übereinanderstapeln der während der Feierlichkeiten unaufhörlich gespielten Zeremonientrommeln (eṭṭebel; arab. aṭ-ṭabl; siehe Abb. 4).

    Die Tuareg glauben nämlich, die Trommeln könnten die bösen Geister vertreiben. Danach stehen die Männer beider Gruppen davor auseinanderzugehen. Sie heben ihre Zeremonienstäbe in die Luft und kreuzen sie in einer Geste der Einheit.

    Kennzeichnend für das Fest ist das Tragen schöner Kleider. Die Männer tragen ein aufwendig besticktes Gewand (tekamist) über einer ebenfalls reich verzierten Hose (akerbi) und wickeln den aus metallisch glänzendem Indigostoff hergestellten Schleier (tagelmust) um den Kopf. Bänder, Gürtel, Sandalen und Schwert vervollkommnen das Erscheinungsbild kriegerischer Männer. Was auf keinen Fall fehlen darf, sind die Amulett-Kästchen, die heilige Texte enthalten, welche Glück bringen und böses Geschick zurückweisen. Auch die Frauen zeigen sich in ihrer besten Tracht. Sie tragen ein Gewand, allerdings weniger verziert. Besonders begehrt sind Kleidungsstücke, die aus schmalen indigogefärbten, in Handarbeit zusammengenähten Stoffstreifen bestehen. Die Frauen schmücken sich mit Ohrringen, Armreifen, Ketten aus Silber. Die paradierenden Männer tragen dagegen eine Kopfbedeckung, die aus zwei indigogefärbten Stoffbahnen geschneidert ist. Während die erste Stoffbahn wie ein Turban um den Kopf gewickelt wird, wird die zweite so gefaltet, dass sich eine Haube bildet, die wie Hahnenkamm absteht. Wenn die Männer tanzen, bewegen sie den Kopf nur leicht vor und zurück, was einen Fahneneffekt erzeugt.

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