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    Institut für Musikforschung

    Die Handschrift »Sloane 3114« in der British Library (London)

    In seiner Schrift Serai Enderum weist Ali Ufkî auf eine Notensammlung hin, die er während der Zeit seines Dienstes im osmanischen Sultanspalast zum eigenen Gebrauch anfertigte. Er dachte bei der Erstellung des Kodex Oblongus, wie das Buch auf der Titelseite von einem zweiten, in der Kanzleischrift geschulten Schreiber bezeichnet wird, freilich nicht daran, ein Sammelwerk mit dem Ziel zu erstellen, der Nachwelt ein genaues Bild der Musik zu liefern, die am osmanischen Sultanshof im 17. Jahrhundert gespielt wurde. Vielmehr diente die Notensammlung, wie er selbst schreibt, weniger ehrgeizigen Absichten: Mit ihrer Hilfe gelang es Ali Ufkî, die Bewunderung seiner Lehrer und Mitschüler zu erringen, indem er als einziger der Schüler in der Lage war, ein einmal gelerntes Stück auch nach längerer Zeit noch spielen zu können.

    »Es ist bey ihnen [den Türken] ein wunderlich und seltzame Sach / einem / so die Music mit Notten beschriben / und den Text alsdann widerumb lesen / und singen kan / zusehen. Dann wann ich meine Lectiones von dem Maister genommen / ich sie selbigen augenblick in die Notten verzeichnet / und also recht gelehrnet hab. Da herentgegen die andern / so dergleichen Wissenschaft nit hatten / alles mit harter Mühe außwendig lehrnen müssen. Wann nun nach verflossener weniger Zeit sie das so hart unnd mühsamb erlehrnte widerumb vergessen / unnd mich nach etlichen Monathen meine Lectiones // widerumb mit Stimm und Instrumenten repetiren gehört / haben so wohlen die Maister als meine Mitgesellen sich höchlich verwundert / und sie dise Kunst zu lehrnen mich inständig gebetten.« (Bobovsky/ Brenner (1667), S. 76-77)

    
Er versteht es, unter dem Vorwand, es koste »allzuvil Zeit und Mühe«, seine Mitgesellen »dise Kunst zu lehrnen«, das seltene Wissen nicht weitergeben zu müssen, so daß die Türken ihn schließlich, nachdem sie »dise schöne und bey ihnen gantz rare Kunst zum öftern« von ihm »gesehen«, Ali Ufkî »nit allein in grossen Ehren gehalten / sondern auch zu einem Erbassi, oder Chormaister« machten. (Bobovsky/ Brenner (1667), S. 77)

    Das oben erwähnte Notenbuch wurde 1948, nahezu 300 Jahre nach seiner Fertigstellung, von dem türkischen Musikgelehrten Çaatay Uluçay in den Beständen des British Museum in London wiederentdeckt. Heute befindet es sich mit der Signatur Sloane MS 3114 unter den Manuskripten in der British Library.

    Literatur:
    Kurt Reinhard, Albert Bobovsky's Aufzeichnungen türkischer Musik als geschichtliche Quelle, in: Musika Antiqua v Acta Scientifica, Bydgoszcz 1978, S, 373–382.
    Umschrift der Liedtexte (unvollständig) in: Musiki Mecmuası, İstanbul 1968–1984.
    Şükrü Elçin, Ali Ufkî. Mecmûa-i Sâz ü Söz, İstanbul 1976.
    Cem Behar, Ali Ufkî ve Mezmurlar, İstanbul 1990.
    Ralf Martin Jäger, Türkische Kunstmusik und ihre handschriftlichen Quellen aus dem 19. Jahrhundert (= Schriften zur Musikwissenschaft aus Münster 7, hrsg. von Klaus Hortschansky), Eisenach 1996, S. 225–233, 244–245.

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