Das Carillon der Universität Würzburg

Im 13. Jahrhundert kam der Gedanke auf, Kirchenglocken als Melodieinstrumente einzusetzen. Hierfür wurden die Klöppel mehrerer Glocken mit Seilen verbunden, später mit Holztasten – und so begann die Geschichte des Carillons. Die Blütezeit des Instruments nahm im 17. Jahrhundert ihren Anfang, als Glocken erstmals rein gestimmt werden konnten und so ein künstlerisches Spiel möglich wurde. 1922 gründete Jef Denyn im belgischen Mechelen die erste Carillonschule der Welt. Ihr folgten weitere Schulen in Frankreich, Belgien, Dänemark und in den Niederlanden. Von hier ging die moderne Pflege des Carillon-Spiels aus.
Ein Carillon ist heute ein vollchromatisches Instrument, verfügt also über den gesamten Tonvorrat. Der Carilloneur spielt auf einer speziellen Tastatur, dem Stokkenklavier. Die Glocken werden auf rein mechanischem Weg angeschlagen.
Das Repertoire für das Instrument ist umfangreich. Erste originale Carillon-Kompositionen erschienen um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Seit den 1920er Jahren ist eine Fülle von originalen Werken entstanden, angestoßen durch
Jef Denyn und seine Schüler. Darüber hinaus liegen viele Transkriptionen von Kompositionen in anderen besetzungen etwa von Bach, Händel und Mozart vor. Sehr beliebt sind darüber hinaus Bearbeitungen von Chorälen und Volksliedern, sowie Improvisationen.
Das Carillon der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg wurde im Jahre 2004 von der Königlichen Glockengießerei
Petit en Fritsen in Aarle-Rixtel/Niederlande hergestellt und im Februar 2005 in der ehemaligen Glockenstube des Turms der
Neubaukirche installiert (Alte Universität, Domerschulstraße 16). Seine 51 Glocken mit der Tonfolge g1-a1-h1-c2 chromatisch bis h5 entsprechen den Tasten b0-c1-d1 chromatisch bis d5 des Stokkenklaviers.
Die meisten Instrumente stehen in den Niederlanden, in Flandern und in den USA. In Deutschland sind es nunmehr 38, davon drei in Bayern (Würzburg, Aschaffenburg, München). Die Universität Würzburg ist die einzige deutsche Universität, welche über ein Carillon verfügt.
Der Carilloneur
Gespielt wir das Carillon der Universität Würzburg von Diakon Dr. Jürgen Buchner, Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat in Würzburg.
Er studierte zunächst Rechtswissenschaft in Würzburg und daran anschließend Kirchenrecht in Straßburg und promovierte an der Päpstlichen Hochschule Antonianum in Rom zum Doktor des Kanonischen Rechts. Er studierte des weiteren Musikwissenschaft und Musikpädagogik in Milton Keynes/Großbritannien und Würzburg und erwarb die akademischen Grade eines Bachelor of Arts und eines Magister Artium. Seine Ausbildung als Organist absolvierte er an der Brigham Young Universität in Provo/Utah/USA. Derzeit studiert er an der Königlichen Glockenspielschule in Mechelen/Belgien bei Koen Cosaert und Eddy Marien Carillon, Campanologie und Komposition.
Weiterführende Links:
Würzburger Katholisches Sonntagsblatt
Wuerzburg1.de
Glockenspiel Geisa
Erstes öffentliches Konzert am Carrillon der Universität Würzburg: 6. Juni 2005 (Bericht).



