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    Institut für Musikforschung

    I. Rudolf Reichelts „Feldaufnahmen“

    Tamascheq Frauengesänge aus Gao/Mali (Mai 1961)

    Der Inhalt der Lieder ist bis auf ein Lied (Track 2), das dem Kommentar Reichelts zufolge von einer Schlacht im Tal von Tilemsi bei Gao handelt, nicht ermittelt worden. Ein Lied (Track 15) wurde während eines Abschiedsfestes für Reichelt gegen Ende seines Aufenthalts in Gao aufgenommen. In dem Lied fallen die Namen der Anwesenden. Zu den Liedertexten gehört es nämlich, wie auch beim Gesang der westafrikanischen griots (bei den Tuareg aggouten genannt), einzelne Mitglieder der Gemeinschaft namentlich lobend oder tadelnd zu erwähnen. Ibrahim Sani gibt zudem an, dass es sich bei einigen der Lieder um melancholische Lieder handelt. Die Lieder weisen immer den gleichen Ablauf auf: Eine Frau singt einzelne Zeilen aus dem Liedtext über einen anhaltenden Bordun oder Ostinato (tifira n-ezele) des Frauenchors vor (leise im Hintergrund singen manchmal einige Frauen die Zeilen mit). Jedem Lied liegt ein metrisch-rhythmischer Zyklus (tiluba) zugrunde. Dieser Zyklus kann schlicht und gerade sein, wie der folgende 12-wertige, i.d.R. im schnellen Tempo (idugdugan):

    (Tracks 1, 5, 7, 8, 10 und 11)

    Oder wie der folgende 6-wertige Zyklus, langsames Tempo (talewankan):

    (Track 13)

    Oder wie der folgende 8-wertige Zyklus, moderates Tempo (elenge):

    (Track 15)

    Er kann aber auch kombiniert und somit komplexer sein, wie die folgenden ebenfalls 12-wertigen, vor allem für die Musik der Tuareg und Sonrai sehr charakteristischen Zyklen (moderates Tempo):

    (Track 2)

    (Track 3)

    (Track 4, 8, 11 und 14)

    Die letzten drei Zyklen können als einen Zyklus betrachtet werden, der ab verschiedenen Punkten einsetzt.

    Die Frauen – sowie die ihrer Aufführung ab und zu beiwohnenden Männer – klatschen (tegarit) über die Hauptimpulse des Zyklus, während einige von ihnen diese beim Stampfen von Hirse und anderen Getreide mit den Stößeln in den Mörsern betonen.

    Die Vorsängerin in den folgenden Beispielen ist eine damals junge Tamascheq-Frau namens Rauda.


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