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Intern
    Institut für Musikforschung

    I. Rudolf Reichelts „Feldaufnahmen“

    Männerchor aus Hombori/Mali (Mai 1961)

    Auf dem folgenden Track ist sehr altes Tam tam zu hören, das den Titel gloro (?) trägt – so die Ansage Reichelts. Es gehört sowohl zur Tradition der Sonrai als auch zur Tradition der Fulbe. Neben dem lauten energischen Ruf-Antwort-Gesang wird heftig getrommelt und gerasselt. Über kurze Strecken hört man ebenfalls die algaita leise im Hintergrund.

    Zeremonialmusik aus Hombori/Mali (Mai 1961 und 1970)

    Die Zeremonialmusik gilt als ein Symbol der traditionellen Macht. Sie wird größtenteils von Instrumenten ausländischer Herkunft beherrscht und bleibt im Gegensatz zu vielen anderen Musikarten veränderungsresistent. Ein Großteil der Gesellschaft lehnt diese Musik ab, weniger aus musikästhetischen Gründen, vielmehr aber, weil er in deren Instrumenten ein repräsentatives Herrschaftssymbol sieht.

    Die Hauptereignisse, zu denen die Zeremonialmusik ertönt, sind die religiösen Hauptfeste, der Zug des Herrschers u. Ä. durch die Stadt bzw. das Dorf, sowie die Amtseinsetzung von Bediensteten. Dazu kommen auch folgende Anlässe: Abreise und Rückkunft des Herrschers, offizielle Besuche sowie Geburtstags- und Hochzeitsfeste von Mitgliedern der Herrscherfamilie. Auch hochrangige Beamte haben oftmals eigene, jedoch anders besetzte Zeremonialensembles (das Doppelrohrblattinstrument algaita in Kombination mit einer oder mehreren gangas), die ebenfalls zu denselben oben aufgeführten Anlässen auftreten.

    In einem Hausakontext basiert die Zeremonialmusik auf der rhythmischen und melodischen Realisation eines nicht ausgesprochenen Textes namens take. Den Musikern schließt sich ein Vokalist an, der seinem Patron mit kirari-Texten zujubelt. Take-Texte sind in der Regel epithetisch und unterscheiden sich von kirari-Texten dadurch, dass sie amts- und nicht personenbezogen sind. Ihre instrumentale Realisation ist deshalb möglich, weil Hausa eine Ton- und quantitative Sprache ist. Das heißt, die Bedeutung kommt zum Teil auf Tonhöhe und Länge einer Silbe an. Texte werden somit auf den Instrumenten realisiert, indem Sequenzen von Silben unterschiedlicher Tonhöhe und Länge imitiert werden.

    Die folgenden 3 Tracks enthalten Zeremonialmusik aus der Region Hombori/Mali. Die ersten zwei Tracks entstanden im Mai 1961. Zu hören sind zwei Instrumente: das Doppelrohrblattinstrument algaita und die Trommel ganga. Fälschlicherweise gibt Reichelt an, dass das Blasinstrument der Flöte ähnelt. Zudem bezeichnet er die Musik als ein Kriegslied (Reichelts Ansage zu Track 1). Das "Stück" auf Track 2 werde zu Ehren des Königs von Nigeria gespielt (Reichelts Ansage zu Track 2). Track 3 stammt aus dem 23. November 1970 und wurde in der Anwesenheit/zu Ehren vom Dorfvorsteher aufgeführt (Reichelts Ansage zu Track 3). Neben der algaita und den gangas sind auch Schellen zu hören.

    Der Musik auf Track 1 liegt der folgende 12-wertige Zyklus zugrunde:

    Der Musik auf Track 2 liegt der folgende 16-wertige Zyklus zugrunde:

    bzw.