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    Institut für Musikforschung

    Volksmusik in Franken (1984)

    Die vorliegende Dokumentation versucht mit einem Querschnitt aus dem Jahr 1984 einen geographisch-regionalen Überblick zur volksmusikalischen Sing- und Musiziertradition Frankens zu geben. Dem Prinzip der Auswahl liegt die Idee zugrunde, anhand beispielhafter Musiker/-innen- und Sänger/-innengruppen die Vielfalt und Verschiedenartigkeit von Besetzungsarten, Gattungen und Überlieferungszusammenhängen aufzuzeigen. Dabei liegt die Absicht hier weniger im Schwerpunkt der am häufigsten gespielten und gesungenen Formen, als vielmehr in der Darstellung eines repräsentativen Querschnitts mit regionalem Bezug zum Lieblingsrepertoire der einzelnen Gruppen. Die Tonaufzeichnungen wurden jeweils am Wohnort der Musiker und Sänger vorgenommen (siehe Übersichtskarte).

    Die Arbeit stand im Zusammenhang mit dem im Aufbau befindlichen Schallarchiv des Faches "Ethnomusikologie/ Volksmusik" der Universität Bamberg (jetzt Universität Würzburg) und wurde – mit Ausnahme der Großbesetzungen – jeweils mit XY-Stereophonie durchgeführt, die mit einfachen Mitteln dem natürlichen Klangbild des Ad-hoc-Musizierens möglichst nahe kommen soll. Nicht ein ausgefeiltes und ein geprobtes Musizieren war gefragt, sondern vielmehr die spontane Art des ungezwungenen Spielens und Singens in Annäherung an die lebendige Wirklichkeit des alltäglichen Laiengesangs und der Laienmusik.

    Die Auswahl der Musik- und Gesangsstücke verteilt sich möglichst gleichmäßig auf die drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken, wobei zugleich die Ausgewogenheit zwischen Liedern, Instrumentalstücken und deren gemischten Formen mitberücksichtigt wurde, ohne jedoch einem zu rigiden Schema verpflichtet zu sein. In der Hauptsache konzentriert sich die Auswahl sowohl auf mündlich und schriftlich überlieferte als auch auf „selbstgestrickte“ Repertoires. Die geistliche Volksmusik und das religiöse Lied, zu dem die meisten Gruppen auch eine enge Beziehung haben, ist ausgeklammert worden. Ausgeklammert blieb ebenso das im engeren Sinn brauchtumsbezogene Singen und Musizieren im Jahresablauf von Weihnachten, Dreikönigsfest, Fastnacht, Ostern, der „Kärwa“ (Kirchweih) und anderen Fest- und Feiertagen. Die Unterschiedlichkeit der Ensemblebildung innerhalb von organisierten oder nicht-organisierten, von Groß- oder Kleingruppen sollte ebenso zum Tragen kommen, wie die der einzelnen traditionellen Sänger oder Musiker. Neben Beispielen der älteren Generation sind auch solche von jungen Sängern und Musikanten vertreten und auch Randbereiche mit eingeschlossen, die den Rahmen des im engeren Sinne verstandenen „Volksliedes“ und der „Volksmusik“ sprengen. Nicht nur die Auffassung des Reinen und Geschliffenen, sondern auch die des volksmusikalisch „richtig dreggärt Spieln“ galt es zu dokumentieren.

    Bewusst wird mit der Schallplatte auf die Polaritäten einzelner Musikauffassungen eingegangen, um die große Spannweite zwischen mündlicher Überlieferung, bearbeiteter, neu getexteter und komponierter Musik aufzuzeigen. Wie lebendig eine Tradition sein kann – inmitten des Spannungsgefälles der vieldiskutierten Meinungen zu Fragen des Purismus und des Synkretismus, von neuer Kreativität, Revival und Erneuerung – dafür mögen im Einzelnen die Stücke selbst sprechen.

    Von allen Gruppen oder Einzelpersonen wurden mindestens fünf Stücke aufgezeichnet, die zu dem bevorzugten Melodienschatz ihres allgemeinen Repertoires gehören. Von den über 200 gesammelten Tonaufzeichnungen wurden 39 Lieder bzw. Musik- oder Tanzstücke ausgewählt Die Auswahlkriterien ergaben sich einerseits durch die geforderte Abwechslung der Musikgattungen, andererseits aber auch durch zusätzliche Qualitätskriterien des Vortrags und der Aufnahmetechnik. Beim Besuch wurden jeweils halbstandardisierte Interviews zu den Musikgruppen, ihren Interessen, ihren Instrumenten und Repertoires, zur Gattung der Lieder und Tänze sowie zum Selbstverständnis und zur Problematik der Volksmusik und ihrer Pflege durchgeführt.

    Die Aufnahmen sind in den Monaten November 1983 bis März 1984 entstanden. Schätzungsweise dürften die hier vertretenen Gruppen 10% der namentlich bekannten Volksmusikgruppen in Franken ausmachen. Von den insgesamt 238 Mitwirkenden sind 45 Frauen(f) und 193 Männer(m). Der jüngste ist 12 Jahre alt, der älteste 83.

    Musikgruppen und Besetzung

    Im Unterschied zur Kunstmusik, in der – abgesehen von den neuesten Kompositionen – Besetzungs-vorschriften für die Instrumente in der Regel genau definiert sind, liegt in der Volksmusik ein großer Freiraum vor, der nach individuellen Vorstellungen der Ensembles wahrgenommen werden kann. Diese Individualität und Vielfalt charakterisiert sich im Blick auf die hier vertretene Auswahl von Instrumental- und Gesangsgruppen besonders eindringlich, denn keine gleicht der anderen.

    Eine Musikkapelle, die noch bis in die 30er Jahre „a Partie“ genannt wurde, umfasste früher einerseits „die Blech“ und andererseits „die Streich“. Beim Aufspielen zum Tanz begann man zuerst in der Blechbesetzung zu musizieren und stieg abends, wenn die Musiker allmählich vom anstrengenden Blasen erschöpft waren, auf die Streichbesetzung um, oder beide Besetzungsarten wechselten in den einzelnen „Touren“ ab. Eine traditionelle Tanz-„Tour“ setzt sich in der Regel aus der Abfolge von drei Tänzen zusammen, die hintereinander durch „die Streich“ oder „die Blech“ gespielt wurden. Die drei Tänze standen und stehen heute noch meist in verschiedenen Taktarten und Tempi. Die „Tour“ beginnt häufig mit einem Walzer, danach folgt ein Rheinländer oder Schottisch. Der Wechsel der Blech- und Streichmusik bezog sich demnach jeweils auf eine ganze „Tour“. Die alte Streichmusik in der Zusammensetzung etwa von zwei melodieführenden Klarinetten, zwei Violinen (gelegentlich auch mit zusätzlichen Trompeten), einer Bratsche (Viola) und einem Streichbass ist jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg zusehends verschwunden, denn mehr und mehr ersetzte die Handharmonika („Quetschn“) die Geigenbegleitung bzw. die Viola, so dass eine Besetzung wie die von zwei Klarinetten zusammen mit einem oder zwei Akkordeons und Bass gegenwärtig häufiger anzutreffen ist. Der Kontrabass wird dabei gestrichen oder auch gezupft, kann aber bei einigen Gruppen auch durch eine Bass-Tuba oder ein Baritonhorn ersetzt werden. Möchte man heute von einer „Standardbesetzung“ sprechen, die vielen erweiterten Varianten der früheren „Streich“ vergleichbar ist, so setzen sich diese zusammen aus:

    1–3 Klarinetten („Strohlbaa“, „Schwarzwurzel“, „Winselholz“, „Kohlstrunk“),
    1–2 Akkordeons („Quetschn“, „Zieharmonika“, „Schifferklavier“, „Wanzenpreß“, „Bauchorgel“, „Ziechkatz“, „Kasten“),
    1 Kontrabass („Schwiegermutter“, „Bawett“, „Stehgeigen“, „Schupfm“) oder Bass-Tuba („Bombradon“, „Bumbradum“) bzw. Tenorhorn oder Baritonhorn („Hörndl“, „Hurn“).

    Eine ganze Anzahl von Besetzungsvarianten ist durch Erweiterungen dieses Grundschemas denkbar. So kam etwa bei den alten Haager-Musikanten zu den beiden Klarinetten, dem Akkordeon und der Tuba noch ein Schlagzeug. Bei den Höschter Steebruchbuewe wird die eine Klarinette des gleichen Ensembletyps (Klarinette, Akkordeon, Baritonhorn) durch eine Trompete ersetzt. Ein bis zwei Trompeten wurden in der „Streich“ seit dem 19. Jahrhundert häufiger eingesetzt. Daneben erfolgte aber in vielen Ensembles die Besetzung – wie heute noch – nach vorhandenen Musikinstrumenten und Spielneigungen der einzelnen Musiker. „Die Besetzung ist heutzutage auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.“

    Charakteristisch bleibt jedoch die Aufteilung der verschiedenen Stimmen und Stimmlagen in ihrer besonderen musikalischen Funktion. So unterscheidet man vor allem eine erste und zweite Stimme, den „Nachschlag“, ab und zu eine Nebenmelodie, sowie den Bass als Fundament. Während die erste Stimme meist die Melodieführung in der höchsten Lage innehält, begleitet die zweite Stimme die Hauptmelodie darunter in Terzen oder Sexten. Der Bass bewegt sich in der Regel auf den einfachsten Stufen von Tonika, Dominante, Subdominante und markiert jeweils den schweren Taktteil. Die unbetonten Taktteile wiederum werden in Bezug auf die Stufen des Basses durch den „Nachschlag“ ausgeführt. Treten Nebenmelodien auf, so umspielen diese nicht selten die Hauptstimme in einer Gegenbewegung. Nebenmelodien werden vom Tenorhorn, einer Posaune oder aber auch von einem Akkordeon ausgeführt. Die tiefen Bässe sind besetzt durch einen Kontrabass, eine Tuba oder ein Horn. Der „Nachschlag“ kann durch eine „Schrubbgeige“, eine „Quetschn“, eine Trompete oder durch eine Gitarre („Klampfn“) bzw. Laute ausgeführt werden, bei größeren Blaskappelen auch durch zwei Tenorhörner oder zwei Posaunen. Nebenmelodie und „Nachschlag“ verdichten das Klangbild zwischen den Hauptstimmen der Klarinetten, der Trompeten oder der „Quetschn“ in Verbindung mit den Bässen.

    In der „reinen“ Blechmusik kleinerer Formationen von sechs bis zwölf Musikern war schon gegen Ende des 19. und zu Beginn unseres Jahrhunderts öfters auch ein Schlagzeug mit oder ohne Becken vertreten. In Schöllkrippen wurden zum Beispiel um 1914 die Blechbläser des Musik-Vereins durch eine Zugposaune und rhythmisch durch eine kleine und große Trommel („Pauke“) unterstützt. Größere Blaskapellen von zwölf und mehr Spielern sind in jüngerer Zeit sehr beliebt geworden, führen aber in der Regel in ihrem Repertoire, neben den vorwiegend internationalen Stücken, relativ wenige traditioneller oder „fränkischer“ Herkunft.

    Musikinstrumente

    Die Instrumente, die heute von den Volksmusikgruppen gespielt werden, sind in der Regel nicht älter als 10–30 Jahre. Die Blechgruppen verwenden meist sogar Musikinstrumente, die neu angekauft wurden. Bei ihnen ist die B-Stimmung im Unterschied zur älteren C-Stimmung vorherrschend. Unter den Holzbläsern finden sich Klarinetten in B-, seltener in Es-, weniger aber in C-Stimmung. Sie sind fast ohne Ausnahme nach dem deutschen Klappensystem orientiert.

    Zu den neueren Instrumenten gehört vielfach das chromatische Klavier-Akkordeon und die Konzertina bzw. das Bandoneon, obwohl es hier öfter einzelne Spieler gibt, die ältere, restaurierte Instrumente spielen. Wechseltönig-diatonische Knopfharmonikas finden in all ihren Varianten und Größen als restaurierte alte Instrumente oder als neue im industriellen Nachbau gerade bei jüngeren Musikern vermehrt Zuspruch.

    Da die Flachlaute der Wandervogelzeit kaum mehr gebaut wird, trifft man diese – weil sie fast ausschließlich durch die Gitarre ersetzt wurde – nur noch selten an. Die Laute der Rothenburger Hans-Sachs-Musik lässt sich bis auf die Jahrhundertwende zurückdatieren.

    Neben diesen traditionell überlieferten, älteren und restaurierten, sowie industriell gefertigten Instrumenten findet man aber auch eine wichtige Gruppe von selbstgebauten Volksmusikinstrumenten vor. Es handelt sich hier vor allem um den „fränkischen Bock“ (Dudelsack), der früher vorwiegend in Oberfranken gespielt wurde. Diese „Bockpfeife“ gehört zu dem Typ des Egerländer bzw. Böhmischen Dudelsacks und setzt sich aus je einer gedrechselten Spiel- und einer Bordunpfeife, einem Luftsack und einem Blasebalg zusammen. Der „Bock“ ist heute über Instrumentenbau-Lehrgänge wieder häufiger anzutreffen und als Revival-Borduninstrument besonders in der Oberpfalz und in Mittelfranken beliebt. Man spielt ihn solistisch oder im Ensemble, zum Beispiel zusammen mit einer Es-Klarinette, einer Geige, zwei Bratschen und einem Kontrabass. Ein anderes Ensemble verwendet eine rekonstruierte „Schäferpfeife“ (deutsche Sackpfeife), die nebst zwei Bordunpfeifen ein Anblasrohr aufweist und etwa zusammen mit einem diatonischen Akkordeon und einer Nachschlaggeige erklingt.

    Um einen Nachbau nach Vorbildern des 18. Jahrhunderts handelt es sich auch bei der Drehleier. Sie unterscheidet sich von der einfachen Bauern-Leier durch ihre ausgeprägte Lautenform, ist der französischen Drehleier nach-empfunden und wird heute von spezialisierten Instrumentenbauern hergestellt. Mit einem Rad werden sechs Saiten angetrieben. Zwei davon sind Melodiesaiten, die mit einer Tastatur chromatisch abgegriffen werden können, die anderen vier sind Bordunsaiten, wovon eine über einen Schnarrfuß läuft und als Schnarrsaite das besonders charakteristische, zirpende Geräusch hervorbringt.

    Unter den Saiteninstrumenten sind auch Mandolinen anzutreffen. Man unterscheidet dabei den neapolitanischen Typus mit dem birnenförmigen Resonanzkasten von dem „portugiesischen“ Typus, der einen flachen Boden aufweist. Mandolinen werden in ganzen Orchestern gespielt oder als einzelne Begleitinstrumente eingesetzt. Die doppelchörig angeordneten vier Saitenpaare sind wie bei der Geige in der Regel in Quinten gestimmt.

    Die heutige Konzertzither wird gerne solistisch oder zusammen mit einem zweiten Instrument gespielt, dient aber auch zur Gesangsbegleitung. Neben den fünf Melodiesaiten ist sie mit 27–30 Begleitsaiten bespannt. Ganze Zither-Orchester erfreuen sich zum Teil großer Beliebtheit. Gerne wird jedoch die Zither auch im Ensemble eingesetzt, etwa im Zusammenspiel mit drei Geigen, einer „Quetschn“ und einem „Stehbass“. Die Zither nimmt eine ähnliche Funktion wahr wie das chromatische Hackbrett. Dieses wird allerdings mehr in Gruppen gespielt, die sich an der oberbayerischen „Stubenmusi“ orientieren.

    Die bunte Palette der in der gegenwärtigen Volksmusik Frankens gebräuchlichen Musikinstrumente ist damit keineswegs vollständig. Man denke dabei nur etwa an die „Polnische Hummel“ (Kratzzither), an die Streichzither oder an den „Leierkasten“ (Drehorgel)! Die Drehorgel spielte man früher auch zusammen mit einer Violine, besonders in den Hinterhöfen der Städte. Mit der Kurbel wird ein Blasebalg betätigt und zugleich ein Lochstreifen über eine Walze getrieben. Wie überall ist die Mundharmonika („Fotzhobel“) auch in vielen fränkischen Regionen zuhause. Mit der großen sechsfachen Kreuzwender-Mundharmonika kann der Spieler innerhalb einzelner Stücke je nach Bedarf in verschiedene Tonarten wechseln.

    Über den amerikanischen Bluegrass und die Mountain Music ist auch das Waschbrett und das vier- oder fünfsaitige Banjo in die Volksmusik eingebracht worden. Das in C- bzw. in G- oder aber „in offener Stimmung“ (open tuning) jeweils geschlagene oder gezupfte Gitarreninstrument passt sich in der Abstimmung jeweils den gespielten Melodien an. Das Banjo lässt sich in unterschiedlich großen Besetzungen, unter anderem auch zusammen mit Gitarre, Akkordeon und Mandoline oder einfach zu einem dreistimmigen Gesang belegen. Über den „Folk“ wiederum sind Löffel, „Brettla“ (Holzbrett) und vor allem die irische Rahmentrommel Bodhran, sowie weitere zum Teil „ausgefallene“ Musikinstrumente aufgenommen worden. Unter ihnen finden sich die Tin Whistle, die spanische Asubio (Tongefäßflöte), die südamerikanische Panflöte und andere fremdländische Instrumente mehr.

    Volksmusik ist in diesem Sinne mehr als nur ein statisches Gefüge; sie ist eine lebendige Tradition, die sich neueren Einflüssen und Impulsen immer auch offengehalten hat. Solche Prozesse sind früheren Entwicklungen vergleichbar, bei denen zum Beispiel die Schalmei durch die Klarinette oder die Geige durch die „Quetschn“ ersetzt wurde. Wie lange eigeführte Instrumente sich in Besetzungen halten können und in neuer Tradition mehr als eine bloße Modeerscheinung sind, darüber werden die Zukunft und die Einstellung der einzelnen Volksmusikgruppen letztlich entscheiden.

    Tanzmusik und Repertoire

    Die Musikgruppen verfügen über ein recht beträchtliches Repertoire: 40–50, ja 100 Tänze sind nicht selten. Sie unterliegen oft gewissen „Moden“ und Zeiterscheinungen; Titel, die sich vor 10 oder 15 Jahren noch großer Beliebtheit erfreuten, sind heute oft schon nicht mehr gefragt. Die Loonharder Musikanten, die bereits 25 Jahre zusammen spielen, besitzen ein Repertoire, das für zwei bis drei Tanzabende ausreicht, ohne dass man sich dabei nur einmal wiederholen müsste: Es wird „aus dem Hut gespielt“, wobei einer die Führungsmelodie anspielt und die anderen gleich darauf einsetzen. Bei erfahrenen Musikern entstehen oft aus Improvisationen neue Tänze und Melodien, die dann zu den „Selbstgestrickten“ werden.

    Die beliebtesten Tänze in Franken sind: Schottisch, Rheinländer, Dreher (Galopp) und Walzer, ebenso „Zwiefacher“, Marsch, Mazurka und Menuett. Auch „Ländler“ und allgemein bekannte „Kärwa-Liedla“ (Kirchweihlieder) werden gerne gespielt. Zu den Geradtaktern gehören die Rundtänze im 2/4-, seltener im 4/4-Takt. Zu ihnen zählen schnelle Polka, bzw. Schottisch (2/4), langsamer (!) Polka (2/4), bzw. Rheinländer (2/4, aber auch 4/4) und Dreher, bzw. Galopp (2/4). Der im mittleren Tempo gespielte Walzer, der etwas schnellere „Ländler“ und die punktierte Mazurka (3/4) gehören zu den ungeradtaktigen Tänzen. Neben diesen beiden großen Gruppen werden die wechseltaktigen „Zwiefachen“ in Mittelfranken besonders geschätzt. Taktgruppen von 2/4 und 3/4 (in der Folge auch umgekehrt) wechseln jeweils nacheinander ab. In der Umgebung von Nürnberg heißt dieser Wechseltakter „Bairischer“, in der Gegend von Ansbach und weiter südlich davon bezeichnet man ihn als „Schweinauer“. In der Nähe von Pappenheim und weiter östlich davon heißt er wiederum „Schleifer“. Dagegen versteht man um Bayreuth herum unter „Schleifer“ den etwas langsameren Walzer im 3/4-Takt.

    Mit den meisten im 4/4-Takt geschriebenen Rheinländern meint man auch etwa „der Polka“. Die eigentliche Polka ihrerseits läuft wiederum oft unter dem Namen „Schottisch“. Tanzveranstaltungen schließen meist mit dem „Kehraus-Galopp“ (2/4), der als „fränkischer Dreischrittdreher“ im schnellsten Tempo rund um die Achse getanzt wird. Zu zahlreichen Tänzen gibt es für die Taktangabe Merkwörter oder Merkverse, wie etwa für den Walzer das akzentuierte Wort „Málzbonbon, Málzbonbon…“ (3/4), für den Schottisch ein etwas langsameres „Rúcksack, Rúcksack…“ (2/4). Im schnelleren Tempo wird „Rúcksack, Rúcksack…“ auch auf den Dreher (2/4) angewandt. Zum Rheinländer heißt ein Merkvers: „Einmal hín, einmal hér, rundherúm, das ist nicht schwér“. Der Wechsel von geradem und ungeradem Takt ergibt sich etwa aus einem Vers wie „Schaúfelstiel (3/4), Schaúfelstiel (3/4), brích net (2/4), brích net (2/4)“.

    Vom Dreher heißt es, dass man das richtige Tempo erst dann erreicht hat, „wenn die Klarinette gscheit schnaufn muß“. Über die gemächlichere Mazurka, den „Baaschlenkerer“ in Oberfranken, die „Schleiderermazurka“ in Mittelfranken und die „Polka-Mazurka“ in der Gegend von Schweinfurt berichtet man, dass sie früher mitunter verboten wurde, da beim Hüpfen und Springen die Leute öfter durch den Tanzboden „gekracht“ seien. Viele der alten Tänze werden mit Notenmaterial durch die Arbeitsgemeinschaft für Fränkische Volksmusik und mit Kursen durch den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege der Jugend wieder nahe gebracht. Ein großer Zulauf ist an Tanzabenden und Lehrgängen zu verzeichnen und bezeugt im Einzelnen die große Nachfrage, nicht nur nach Rundtänzen, sondern auch den größeren Figurentänzen, wie etwa „Schlamperer“, „Schwarzer Peter“, „Stampfer“, „Hackschottisch“, „Kreuz-Polka“, „Polonaise“, „Française“ und vielen anderen mehr.

    Gesangsgruppen und Lieder

    In der mündlichen Überlieferung findet man bei älteren Sängerinnen und Sängern noch zahlreiche geistliche Lieder, erzählende Gesänge, Heimatlieder, Balladen, Scherzlieder, Liebes- und Standeslieder, Bänkelgesänge, Moritate, Küchenlieder, „Heimatschnulzen“, Jägerlieder und viele andere mehr. Sie werden einzeln oder zusammen in der Gruppe gesungen, unbegleitet oder von einem Akkordinstrument unterstützt. Eine „Quetschn“ oder eine Gitarre bilden das wichtigste Begleitinstrument.

    Viele der allgemein in Deutschland verbreiteten älteren „Volkslieder“ werden in schriftsprachlicher Form gesungen und weisen manchmal nur wenige der charakteristischen, umgangssprachlichen Lautgebungen auf. Andere – und nicht wenige der heute gesungenen Lieder – sind besonders dem regionalen Dialekt verpflichtet. An ihnen lassen sich zahlreiche Eigenheiten der Vokalisierung (Diphtongierung und Monophthongierung) sowie der konsonantischen Lautgesetze ablesen. Wie nuancenreich und facettenhaft Dialekttexte sein können, vermag keine der „Übersetzungen“ ins Hochdeutsche so richtig nachzuzeichnen (siehe dazu die Liedtexte in der Beilage). Es sind dies nicht nur regionale Unterschiede zwischen Frankenwälder, Nordbayerischem, Rhöner Dialekt und anderen mehr, sondern auch Unterschiede in der Lautgebung von Dorf zu Dorf, von Siedlung zu Siedlung. Heute ist das Dialektlied, nachdem vielerorts vor dem Zweiten Weltkrieg und kurz danach kaum mehr in Mundart gesungen wurde, wieder beliebt und gefragt. Nach dem Krieg allerdings begann man zunächst die oberbayerische Mundart in Lied und zum Teil auch Melodik zu imitieren und besann sich erst allmählich wieder auf das Eigenständige.

    Der oberbayerische Einfluss über Rundfunk und Medien wirkt bei zahlreichen traditionellen Sängern wie auch Musikern teilweise noch nach, ist aber mit der Pflege mehr und mehr in den Hintergrund verdrängt worden. So findet man in den Älteren „Rockenstubn“-Heften (Spinnstuben-Liederbüchern) zum geringsten Teil fränkische Lieder. Tiroler Lieder, Gebirgslieder, Kriegslieder und Balladen fanden vor allem durch die nach der Jahrhundertwende gegründeten Heimat- und Trachtenvereine, die nicht selten oberbayerisches Melodie- und Tanz-Gut pflegten, im fränkischen Bereich Eingang. Heute ist man sich allerdings dessen bewusst geworden, und die meisten Sängergruppen singen – mit Ausnahme großer Chöre – vorwiegend in ihrer eigenen Mundart. Man passt vorhandene Lieder – sofern sie nicht schon als Dialektlieder entstanden sind – der eigenen regionalen Färbung an.

    Zahlreiche neue Mundarttexte entstanden in den letzten Jahrzehnten. Vielfach sind es lokale Heimatdichter, auf deren Liedstrophen neue Melodien von einem Lehrer oder Sänger gemacht werden. Gesungen wird alleine, in Gesangs-„Duos“, im „Dreigsang“, „Viergsang“ oder (Familien)-„Quartett“. Nebst den größeren oder kleineren Sängergruppen gibt es auch Gesangsgruppen in Doppelbesetzungen. So kann zum Beispiel ein „Viergsang“ jede der vier Stimmen zweifach besetzt haben. Selten jedoch singen die kleineren Sängergruppen ohne Begleitinstrument.

    Anders ist es bei den größeren Chören, deren Mitgliederzahlen bis zu 35 und mehr Sänger ausmachen und die von einem Chorleiter a capella dirigiert werden. Die Chöre singen nicht nur ausschließlich Volkslieder, sondern führen in ihrem Repertoire auch Kunstlieder und Lieder aus der Ditfurth-Sammlung, die drei- oder vierstimmig nach der Art der Männerchorbesetzung bearbeitet und ausnotiert sind. Der Weibersbrunner Jägerchor trägt nicht nur Jägerlieder, sondern auch traditionelle Lieder und Gesänge vor. Die kleineren Sängergruppen weisen in der Regel eine ein- bis vierstimmige Vokalbesetzung auf, die durch ein oder zwei Musikinstrumente begleitet wird. Die fast immer strophisch gegliederten Lieder werden häufig durch ein instrumentales Zwischenspiel aufgelockert. Die 1. Stimme ist meistens die obere und wird darunter durch eine 2. Stimme begleitet, die zur Melodiestimme „terzelt“ oder „sextelt“. Ist eine 3. Stimme vorhanden, so übernimmt sie oft die Gegenbewegung. Die 4. Stimme bewegt sich auf den Stufen, die normalerweise die „Quetschn“ auf dem Bass spielt.

    Viele Instrumentalgruppen singen zudem gleichzeitig beim Spielen mit und haben in ihrem Repertoire Tanzlieder, gesellige und neckische, satirische und witzige Liedchen sowie gesungene „Zwiefache“. Liebe („Schotzalaslied“), Werbung („Fensterllied“), Hochzeit und Ehestand sind einige der zentralen Motive und Themen. Daneben gibt es Spinnstubenlieder, Zunft- und wenige Bergmannslieder, sowie Lieder aus dem sentimentalen Bereich zur späten Stunde („Mitternachts-lieder“). Von den Liedern gilt ähnliches wie von den Tänzen: mehrheitlich sind es dur-orientierte Melodien, sie weisen selten Modulationen auf und sind vorwiegend in vier- acht- oder sechzehner Taktgruppen gegliedert.

    Zwischen Tradition und Pflege

    Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich viele Musik- und Gesangsgruppen vorerst nach der oberbayerischen Volksmusik orientiert. Damals wurde zum Teil in Franken noch „geschuhplattelt“, ober-bayerisch Theater aufgeführt und oberbayerisch gesungen. Fast alles wurde gespielt, wenn die Musik nur „pfundig“ war. Man musizierte auf der „Kärwa“, am Fasching, auf- Fisch- und Ganspartien, in Wirtshäusern, Wirtschaftsgärten und bei Familienfesten. Bei der Kirchweih wurde im Dorf „rumgschpielt“, Krapfen, Brotzeit und Bier wurden eingespielt. Den Begriff der Volksmusik gab es eigentlich nicht. Früher hieß es einfach, wir machen „a Musik“, „an Tanz“, „a Stücklä“, „a Gaudi“. Zu dieser „Musik“ gehörten auch Schlager von damals, die vom Grammophon oder vom Radio übernommen wurden. Man sagte „Spiel ma aweng!“ und wurde aufgefordert: “Macht halt a poor!“. Die Wünsche, die bei Tanzunterhaltungen geäußert wurden, gingen über das Wienerlied, den Rheinischen Schunkelwalzer, über Operetten-Potpourris und Opernarien, über traditionelle und regionale Tänze bis hin zu den Tagesschlagern (Erwin Zachmeier). „Volksmusik ist einfach ein Begriff“, äußert sich ein 83jähriger „Quetschn“-Spieler; „von Volksmusik war und ist bei uns nicht die Rede.“

    Der Sprachgebrauch und der Begriff der „Fränkischen Volksmusik“ wurden im spezifischen Sinn durch die Pflege eingebracht. Darunter versteht man heute nur noch traditionelle, möglichst eigenständige Musik; es werden die Operetten- und Schlagermelodien bewusst ausgeklammert. Im Jahre 1968 spielten die damals schon seit 10 Jahren bekannten Loonharder Musikanten ihren ersten rein „Fränkischen Tanzabend“. Die Anleitungen zu den Rund- und Figurentänzen stammten aus einem Heftchen vom Frankenbund und von Kurt Becher vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Über den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V. (gegründet 1902) wurde die Idee, Kursabende durchzuführen, aufgegriffen. Wochenlehrgänge führte man in Franken so z.B. 1964 in Neustadt a. d. Aisch, und 1968 in Volkersberg in der Röhn durch; der erste offizielle Lehrgang, der sich ausschließlich auf „Tanz, Musik und Lieder in Franken“ beschränkte, fand jedoch durch den Landesverein organisiert – erst 1970 in Scheinfeld statt.

    Mit der Einrichtung der Beratungsstelle für Fränkische Volksmusik um 1978 und der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik für die Bezirke Mittelfranken (1977), Unter- und Oberfranken (je 1979), nahmen die Volksmusiklehrgänge sprunghaft zu. Bei Seminaren durch den Landesverein, durch Heimatvereine und Volkshochschulen werden Singen, Tanzen und Musizieren auf undogmatische Weise weitervermittelt, neue Anregungen ausgetauscht, Anleitungen zum Instrumentenbau gegeben und insgesamt auch Fragen der Pflege und der Lehrgänge kritisch besprochen, ausdiskutiert und nicht zuletzt auch das Problem der Auswahl und Funktion hinterfragt. Neben dem Musizieren nach gedruckten Vorlagen, alten handschriftlichen Aufzeichnungen, experimentiert man auch mit dem freien Zusammenspiel und der Improvisation in der Gruppe.Im Jahre 1981 schließlich sind die drei Bezirke übereingekommen, eine Forschungsstelle für fränkische Volksmusik zu errichten. Sie befasst sich mit regionaler Kulturforschung und hat u.a. zum Ziel, Materialien zu Lied, Musik und Tanz in Franken zusammenzutragen, zu sichten, zu interpretieren und zu publizieren.

    In der gegenwärtigen Überlieferungstradition von Liedern und Spielstücken kann man grundsätzlich drei Wege voneinander unterscheiden:

    • Einmal die besonders bei Einzelsängern und Musikern noch bestehende mündliche Tradition an den noch über ein bis drei Generationszusammenhängen bekannten Repertoires. In diesen Überlieferungsbereich gliedern sich auch jene Lieder- und Musikstücke ein, die seit Bestehen des Rundfunks und der Schallplattenaufnahmen nach Gehör übermittelt und in die eigene Sing- und Spielweise aufgenommen werden. Brauchtumsorientierte Musiküberlieferung ist ebenso anzutreffen, wie einzelne Stücke, die aus Improvisationen zu fixierten Modellen sich verfestigen. Im Allgemeinen lässt sich jedoch sagen, dass das in mündlicher Überlieferung Weitergegebene heute noch weniger dem entspricht, was durch die Pflege aufgegriffen wird. In Feldforschungswochen ist man allerdings bemüht, an traditionell überliefertes Lied- und Melodiengut heranzukommen und dieses in selektiver Weise wieder in die Öffentlichkeit zu bringen.
    • In der schriftbezogenen Überlieferung kann man wiederum unterscheiden zwischen jener Notierungsweise, die aus alten Handschriften stammt oder aus Lied- und Musikpublikationen kommt. Diese Quellen weisen in der Regel nur eine oder zwei Stimmen auf. Alte handschriftliche Vorlagen, die mit allen Stimmen notiert sind, gibt es zwar auch, doch entsprechen diese dann meist nicht mehr der heutigen Besetzungstradition, so dass die Notenmaterialien auf die modernen Bläsergruppen meist umgeschrieben werden müssen. Sind nur eine oder zwei der Stimmen bekannt, so werden oft nach Gehör die zusätzlichen Stimmen „ausprobiert“, gelegentlich aber setzt eines der Gruppenmitglieder die Stücke aus oder bearbeitet sie für die entsprechenden Musikinstrumente, bzw. Gesangsstimmen. Fast alle Variationen zwischen rein mündlicher oder rein notenschriftlicher Musik sind vertreten. Singen die einen überhaupt nie nach Noten, so spielen die anderen ausschließlich nach Noten. Sind die einen keineswegs an vorgegebene Formen gebunden, so halten sich die anderen erst recht daran. Es wird auswendig gespielt, vom Blatt gesungen, aus alten Stimmbüchern und Heften, nach gedruckten Vorlagen, nach pflegeorientierten Empfehlungen oder auch nur nach eigenem Geschmack: Die Praxis insgesamt, und damit auch der Inhalt der „Volksmusik“, ist vielfältiger, als es auf den ersten Anhieb erscheinen mag.
    • Immer mehr versuchen einzelne Musikgruppen, eigene Mundarttexte und/oder eigene Melodien zu machen. Mit dem „Selbstgestrickten“ will man, wie die Haache Stöckraache meinen, nicht etwa einen „ausgefeilten Volksgesang, der schön ausblüht und abschwillt - man könnte dann gleich einen Gesangsverein gründen“, sondern man „pfeift drauf“, wo immer es Leute gibt, die ihnen etwas vorschreiben möchten: „Wir singen einfach, was uns gefällt und sind nicht bereit, bedingungslos andere Sachen zu übernehmen, auch nicht zum Beispiel Lieder aus der Ditfurth-Sammlung“. Die im Allgemeinen auf ältere Vorlagen bezogenen Liedblätter, Noten und Stimmhefte gehen zum Teil von Hand zu Hand, werden über Lehrgänge ausgetauscht und bereitgestellt. Zum Teil sind es Unterlagen von Lehrgängen des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege oder Dokumentationsmaterialien der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, zum anderen Teil Reprints der Forschungsstelle für Fränkische Volksmusik sowie die „Fränkischen Volksmusikblätter“. Zu den wichtigsten Unterlagen gehören die Blasmusikmappen des Bayerischen Landesvereins (aus Handschriften), die des Bezirksheimatpflegers Unterfrankens, oder etwa die „Ebermannstädter Liederhandschrift“ und die „Happurger Tanzmusik“. Von alten einstimmigen Handschriften her stammen die „100 Tanzmelodien aus Franken“. Sie sind ebenso beliebt wie die Liederbücher „So singa mir“, die „Gesungenen Zwiefachen aus der Oberpfalz“, nebst den „Fränkischen Volksliedern“ (1855) von Friedrich Wilhelm Freiherr von Ditfurth und zahlreichen neueren Liederbüchern. Daneben gibt es aber viele Gruppen, die alte Handschriften aus dem 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts hervorholen, diese nach ihren Gegebenheiten und Vorstellungen interpretieren, verändern und im Gegenwartsbezug adaptieren.

    Heute wird zu jedem denkbaren Anlass gesungen und musiziert – zu Sänger- und Musikantentreffen, bei Dorf- und Straßenfesten, bei Vereinsfeiern, Feuerwehrfesten, Sportfesten, Festivals, Tanzabenden und beim Fasching, an Heimatabenden, bei Familienfesten, ebenso an vielen Festtagen des Kirchenjahres wie zu Advent, Weihnachten, Kirchweih und anderen mehr. Viele Gruppen treten auf Bestellung auf, zum Beispiel bei Vereinen, sie werden vom Rundfunk für Tonaufnahmen engagiert und bieten außerhalb eines eigentlichen Brauchtumszusammenhangs eine Unterhaltung mit Lied- und Tanzmusik. Man ist aber mit den Worten der Gruppe „Alabätsch“ bestrebt, „möglichst keine lebendige Musikbox zu werden“. Die eigene und aktuelle Thematik tritt in den Vordergrund. Jüngere Gruppen wie die „Frankenbänd“ machen bewusst ihre „Gebrauchsmusik“, zu der man tanzen und singen kann. Nach ihrer Meinung „wird die Volksmusik heute zum Teil so gepflegt, wie sie vor 100 Jahren war bzw. wie man glaubt, dass sie gewesen sei.“ Es ist zwar auch ein Anliegen der Gruppe, mit der Volksmusik zu arbeiten, aber mit vorwärtsdrängenden Impulsen, so, wie sie heute sein müsste oder könnte, vor allem als eine aktuelle Musik, die nicht aufgesetzt ist. Man will auch den Leuten zeigen, dass „Volksmusik“ in Franken eine Angelegenheit des 20. Jahrhunderts ist, attraktiv sein kann und genauso gut zu Jeans und T-Shirts passt wie zu Trachten.

    In dem, was „Volksmusik“ zu sein hat, wie sie verstanden wird, worin man inhaltlich die Grenzen zieht oder sprengt, unterscheiden sich die einzelnen Musiker- und Sängergruppen. Die Spannweite und Vielfalt der Auffassungen, die Auseinandersetzung zwischen traditionalistischen und verändernden, zwischen konservierenden und restaurierenden, zwischen hergebrachten und neuen Auffassungen geben selbst ein Zeugnis für eine lebendige Tradition ab, eine Tradition, die das gebrochene Verhältnis zur Vergangenheit kennt und diese in eine, wenn auch brüchige Wirklichkeit der Gegenwart ständig einarbeitet und einzuformen vermag.

    Dank an die Mitwirkenden

    Allen bei diesem Doppelalbum mitwirkenden 238 Sängerinnen und Sängern, Musikantinnen und Musikanten möchte ich an dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank für ihre Gastfreundschaft und Zusammenarbeit aussprechen! Zu danken ist aber auch für zahlreiche Hinweise und Hilfeleistungen den Herren Otto Schemm, Erwin Zachmeier, Ludwig Moritz und Hans Schöffel, des weiteren Herrn Dr. Horst Steinmetz (Forschungsstelle für Fränkische Volksmusik) und nicht zuletzt der Oberfränkischen Verlagsanstalt für die großzügige Unterstützung des Projekts.

    Ohne die technische Ausrüstung seitens der Universität Bamberg und ohne die tatkräftige Mitwirkung von Frau Christi Schrenker und Frau Angelika Brehm beim Schreiben der Interviews, Protokolle und Texte wäre in so kurzer Frist das Ganze nicht denkbar gewesen. Auch dafür meinen besten Dank!

    Last but not least gilt mein besonders herzlicher Dank den Studentinnen „Muck“ Schemm, Susanne Schumm, „Steffi“ Zachmeier und dem Studenten „Charly“ Fischer. Mit unermüdlichem Eifer und selbständigem Einsatz waren sie immer bei den Tonaufzeichnungen dabei, waren zur Stelle bei der Auswertung der Interviews, der Dokumentationsmaterialien, beim Archivieren und Redigieren. Ihnen und allen Mitwirkenden sei dieses Doppelalbum freundlichst zugeeignet!

    Max Peter Baumann

    Klangbeispiele (Übersicht)

    SEITE A (rechte Seitenleiste)

    A-1                 WO IS DENN DES GERCHLE / SCHOTTISCH (2: 17). Zollkapelle Hof (Oberfranken)

    A-2                 SO RICHTIG A ANSTÄNDIGS MAUL VOLL / MUNDARTLIED (2: 15). Hasenterzett, Haßfurt, Haßberge (Unterfranken)

    A-3                 ERINNERUNG AN NEUSTADT / MARSCH (3: 00). Adolf Rupprecht, Weißenhaider Mühle, Wunsiedel (Oberfranken)

    A-4                 SCIEENS SCHOTZALA, SCHWARZ MAUSALA / WECHSELGESANG (2:19). Geschwister Mechs, Bottenbach, Neustadt-Bad Windsheim (Mittelfranken)

    A-5                 RHEINLÄNDER (2: 00). Buger Geigenmusik, Bamberg-Bug (Oberfranken)

    A-6                 ICH HOB HALT DENKT / SCHOTZALASLIED (1: 44). Die singenden Bäuerinnen aus Effeltrich, Effeltrich, Forchheim (Oberfranken)

    A-7                 DER LANGE AUFTAKT / DREHER (1:24). Rothenburger Hans-Sachs-Musik, Rotheburg, Ansbach (Mittelfranken)

    A-8                 GEDULDSPROBE 204 / LIED AUS DER FRAUENBEWEGUNG (3: 02). Schleifstein, Karlstadt, Main-Spessart (Unterfranken)

    A-9                 MAZURKA (1: 21). Flötengruppe Irmelshausen, Irnelshausen, Rhön-Grabfeld (Unterfranken)

    A-10   SCHOTTISCH AUS VASBOHL (1: 13). Schrolla-Musik, Theilheim, Schweinfurt (Unterfranken)

    SEITE B (rechte Seitenleiste)

    B-1                 FRAA, FRAA RUPF DEIN VUGL (1: 32). Högenbachtaler Boum, Hartmannshof, Nürnberg-Land (Mittelfranken)

    B-2                 A PFUND SCHWAZ FLAASCH / MUNDARTLIED (3: 35). Haache Stöckraache, Haig, Kronach (Oberfranken)

    B-3                 SABINCHEN WAR EIN FRAUENZIMMER / MORITAT (0: 58). Heinz Paulus, Nürnberg (Mittelfranken)

    B-4                 ALS ICH AN EINEM SONNTAGMORGEN / TRAD. VOLKSLIED (1: 49), Gretel Albert, Tütschengereuth, Bamberg (Oberfranken)

    B-5                 VETTER HANNES RHEINLÄNDER / RHEINLÄNDER (1: 10). Ronhofer Bock- und Leiermusik, Fürth-Ronhof (Mittelfranken)

    B-6                 IN DER SPINNSTUBE / MUNDARTLIED (2: 18). Familie Bocklet, Bad Bocklet, Bad Kissingen (Unterfranken)

    B-7                 DA STODL / ZWIEFACHER (2: 03). Älabätsch, Nürnberg, (Mittelfranken)

    B-8                 MENUETT NR. 5 (2: 09). Ansbacher Stubenmusik, Ansbach (Mittelfranken)

    B-9                 AUF’S FENSCHTERN BIN I GANGA / MUNDARTLIED (1: 44). Bieswanger Viergesang, Bieswang, Weißenburg - Gunzenhausen (Mittelfranken)

    B10                 DA NEIESTE WALZER (2: 28). Loonharder Musikanten, Nürnberg (Mittelfranken)

    SEITE C (hier)

    C-1                 HAAGER MARSCH (2: 21). Haager Musikanten, Haag, Bayreuth (Oberfranken)

    C-2                 SAUHATZ IM SPESSART / KURMAINZER (2: 37). Weibersbrunncr Jägerchor, Weibersbrunn, Aschaffenburg (Unterfranken)

    C-3                 IM SCHÖNEN GOLLACHTAL / WALZERLIED (1: 03). Johannes Eberlein, Uffenheim, Neustadt-Bad Windsheim (Mittelfranken)

    C-4                 SPRINGT DA HIRSCH ÜWERN BOOCH / MUNDARTLIED (2: 17). Stonewood Stringband, Arzberg (und Poxdorf, Oberpfalz), Wunsiedel (Oberfranken)

    C-5                 MAIENMAZURKA (1: 51). Rhöner Schulmeister, Gefäll, Bad Kissingen (Unterfranken)

    C-6                 HOB ICH AN BAAM / ZWIEFACHER (1: 27). Franz Berwind, Würzburg (Unterfranken)

    C-7                 DER HOLZWURM / RHEINLÄNDER (2: 47). Kleinsendelbacher Dachstubenmusik, Kleinsendelbach, Forchheim (Oberfranken)

    C-8                 MÄDCHEN VOM LANDE / TRAD. VOLKLIED (2: 24). Handthaler Volkssänger, Handthal, Schweinfurt (Unterfranken)

    C-9                 HERSBRUCKER HIRTENRUF (0: 35). Horst Buberl, Hersbruck, Nürnberger Land (Mittelfranken)

    C-10               RAUSCHBERG-POLKA (1: 34). Kahlgründer Musikanten, Schöllkrippen, Aschaffenburg (Unterfranken)

    SEITE D (hier)

    D-1                 AUF, AUF ZUM FRÖHLICHEN JAGEN / MARSCH (0: 59). Jagdhornbläsergruppe Wunsiedel-Marktredwitz, Wunsiedel (Oberfranken)

    D-2                 HINTER DERA HOLLERSTAUN / MUNDARTLIED (2: 00). Familie Schemm, Arzberg, Wunsiedel (Oberfranken)

    D-3                 WALZER (3: 19). Alfred Einsiedel, Langenbach, Hof (Oberfranken)

    D-4                 I WOLLT, I WÄR IM HIMMEL DROM / KÄRWALIED (2: 18). Dürrwanger Harles Sänger, Dürrwangen, Ansbach (Mittelfranken)

    D-5                 SPALTER LÄNDLER (2: 21). Spalter Rezattaler, Spalt, Roth-Hilpoldstein (Mittelfranken)

    D-6                 KENNST DU NET DES FRITZENGERCHLA / SCHOTTISCH (3: 02). Frankenbänd, Nürnberg (Mittelfranken)

    D-7                 DER BLAUE / SCHOTTISCH (1: 16). Höschter Steebruchbuewe, Hofstetten, Main-Spessart (Unterfranken)

    D-8                 IN KÜNGSFELD IS A SCHLAUER FUCHS / TRAD: VOLKLIED (1: 32). Karl Schrenker, Eichenhüll, Bamberg (Oberfranken)

    D-9                 DA KISCHPL / GALOPP (1: 16). Trio aus Sassanfahrt, Sassanfahrt, Bamberg (Oberfranken)

    Impressum

    Volksmusik in Franken. Eine ethnomusikalische Dokumentation.

    (Schallplatten-Doppelalbum mit Kommentar zu den Aufnahmen von Max Peter Baumann). Hof, Deutschland: Oberfränkische Verlagsanstalt und Druckerei GmbH

    (2 LPs 12", 33 1/3 rpm, Dynasound 51/0584).

    Herausgeber und Kommentar: Max Peter Baumann

    Aufnahmen/Titel- und Gruppeninfos: Max Peter Baumann, Karl-Heinz-Fischer, Christl Schemm, Susanne Schumm, Stefanie Zachmeier

    Mastertape: Heinrich Meyer (Nürnberg)

    Zeichnungen: Günther Voss (Bamberg)

    Karte: nach Vorlage von Christl Schemm (Bamberg)

    Titelfoto: Wolf-Gunter Steinmetz (Walkershofen)

    Copyright 1984: Oberfränkische Verlagsanstalt und Druckerei GmbH, Hof / Frankenpost, Hof.

    Website 2018: Universität Würzburg, Institut für Musikforschung (Betreuung: Oliver Wiener)

    Mit freundlicher Genehmigung der Frankenpost Verlags GmbH, Hof.

    Es gelten die Bestimmungen der Creative Commons

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    Zu den folgenden Bedingungen:

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    Keine Bearbeitung. Dieses Werk darf nicht bearbeitet oder in anderer Weise verändert werden.
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    Das Urheberpersönlichkeitsrecht des Rechteinhabers.

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