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    Institut für Musikforschung

    Arbeitslieder der Sake-Brauer von Echigo (Japan)

    „Arbeitslieder“ waren in vormaschinellen Zeiten für viele Berufe und Tätigkeiten auch in Europa weit verbreitet. Sie dienten der rhythmischen Koordinierung von Arbeitsvorgängen insbesondere in der Gruppe, zur Motivierung und Unterhaltung bei monotonen und anstrengenden Tätigkeiten, aber auch zur Identitätsbildung eines Berufsstandes.

    Die Gesänge der Sake-Brauer von Echigo aus der Präfektur Niigata sehen sich im engen Zusammenhang mit der Tätigkeit der Reiswein-Herstellung, die bis in jüngster Zeit noch primär Handarbeit war und in den kalten Wintermonaten stattfand. „Die Hälfte des Ertrages aus der Reiswein-Herstellung ist dem Gesang zu verdanken“, heißt es in Echigo. Im Liederrepertoire spiegelt sich somit ein traditionelles Handwerk, das in der Arbeitswelt von heute längst durch maschinelle Verfahren abgelöst wurde.

    In der traditionellen japanischen Kultur sang man öfter während der Arbeit. So wurden zum Beispiel beim Anpflanzen des Reises taue uta-Lieder gesungen, jizuki uta oder hataori uta beim Holztragen und kiyari uta beim Ausebnen der Erde vor dem Bau eines Hauses. Vor allem sind jedoch die traditionellen Arbeitslieder, die sake-zukuri uta der Sake-Brauer besonders typisch, weil man die Lieder beim Herstellen des Reisweins (sake) direkt im Zusammenhang mit dem Arbeitsvorgang einsetzte, während andere Sake-Lieder wiederum in Arbeitspausen auch zur Entspannung oder bei rituellen Zeremonien gesungen wurden.

    In der vorindustriellen Produktionsweise waren Arbeitslieder bei der Herstellung von Sake unerlässlich. Fast in ganz Japan gab es solche Sake-Arbeitslieder. Bekannt waren diese besonders durch hervorragende Meister in den drei berühmten Reisweingebieten von Tanba (im heutigen Hyōgo), in Echigo (Niigata) und Nanbu (in der Nähe von Aolmori und Iwate). Die Sake-Arbeitslieder koordinierten die Arbeitsvorgänge beim Reinigen der großen Fässer, beim Messen der Zeit, beim Umrühren und sie festigten zudem ihren fröhlichen Texten den sozialen Zusammenhalt während der Arbeitsvorgänge.

    Seit den 1950er Jahren ergaben sich jedoch rapide Veränderung in der japanischen Kultur und Gesellschaft. Die Sake-Arbeitslieder (sake-zukuri uta) bildeten hievon keine Ausnahme. Sie gerieten wegen der modernen maschinellen Produktionsweisen nahezu in Vergessenheit. Niemand hatte zuvor versucht, die Sake-Lieder zu dokumentieren. Erst 1994 begann Kiyoko Motegi, diese energiegeladenen Arbeitslieder der Sake-Bauern aus der Präfektur Niigata, in Nordjapan zu untersuchen und in Ton und Film festzuhalten.

    Sake-Herstellung in der Niigata-Präfektur seit Beginn des 17. Jahrhunderts

    Einwohner aus der Niigata-Präfektur begannen die Sake-Herstellung bereits in der frühen Edo-Zeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Sie wanderten im Winter in die Umgebung von Tokio, Nagoya and Hokkaido und bildeten dort auswärtige Arbeitergruppen, die aus vier bis fünf Männern bestanden. Die Sake-Brauer waren eigentlich Bauern, die in der Winterzeit auswärts als Sake-Hersteller arbeiteten, da es in ihrer Heimat sehr viel schneite und sie deshalb auf dem Felde nicht arbeiten konnten. Sie wohnten alle im gleichen Dorf und arbeiteten jedes Jahr in einer bestimmten Sake-Brauerei. Die Situation blieb bis in die 1960er Jahre relativ unverändert.

    Am wichtigsten war es für die Sake-Brauer, in enger Kommunikation mit der Gruppe zu bleiben und sich gegenseitig zu vertrauen, denn nur dadurch konnte die Gefahr von Arbeitsunfällen vermieden werden. Die Sake-Herstellung war eine anstrengende und zugleich auch gefährliche Arbeit. Ein kleiner Fehler konnte den Tod eines Arbeiters verursachen.

    Die Herstellungsperiode des Getränks nahm gut ein halbes Jahr in Anspruch. In diesen Tagen wurden die Lieder zur Herstellung von Sake von vier bis zwanzig Uhr innerhalb und auch außerhalb des Brauereigebäudes gesungen. Da die Sake-Produktion wie die anderen traditionellen Arbeiten für Frauen gesperrt blieb, waren die Sänger natürlich immer nur Männer. Es sangen sowohl die 14- bis 15-jährigen Lehrlinge als auch die Sake-Meister. Die Lehrlinge waren die meshi-taki bzw. die „Reiskocher“, weil sie am Anfang der Lehre nur das Essen für ihre Meister zubereiten durften. Die Meister der Sake-Herstellung waren die tôji im Alter von 28 Jahren bis älter als 60. Das Singen blieb normalerweise Aufgabe der Gesellen und Arbeiter.

    Über die Sake-Produktion

    „Reis, Wasser, Umwelt und Menschen“ sind die Grundsteine des Reisweins. Die Präfektur Niigata ist berühmt für den wohlschmeckenden Reis. Dieser exquisite Reis wird zu den besten Reisweinen Japans verarbeitet. Es schneit dort im Winter mehr als zwei Meter. Japanischer Reiswein wird mitten im kalten Winter hergestellt. Das liegt daran, dass die Luft im Winter durch den Schnee besonders sauber ist und der frisch geerntete Reis sogleich verwendet werden kann. Außerdem ist die Rolle des Wassers in der tief verschneiten Region sehr wichtig. Rundherum mit hohen Bergen umgeben, besitzt die Präfektur Niigata besonders kostbares Quellwasser, das aus dem geschmolzenen Schnee, über viele Jahre hinweg, durch die Erde langsam gefiltert wird. Dieses Quellwasser enthält eine in Niigata spezifische Zusammensetzung von verschiedenen Mineralstoffen, aber kein Kalk, ist demnach ein sehr weiches Wasser. Jede Sake-Brauerei besitzt einen eigenen Brunnen, und die Mineralstoffe tragen zum großen Teil dazu bei, dass der Reiswein eine sehr hohe Qualität aufweist.

    „Japanischer Reiswein wird mit Hilfe von Gottes Hand gemacht“, pflegen die toji Sake-Braumeister zu sagen. Natur und Menschen brauen den Reiswein zusammen, und dies charakterisiert zugleich auch die Naturverbundenheit der Japaner.

    Um qualitativ hochwertigen „Reiswein“ herzustellen, sind folgende Bedingungen notwendig: eine vorzügliche Qualität von Reis und Wasser, eine reine unbelastete Luft und ein hohes Niveau des technischen Könnens.

    Während die meisten alkoholischen Getränke der Welt als Schnäpse destilliert werden, wird der japanische Reiswein ähnlich wie das Bier gebraut. Die Zutaten sind Reis, Reis-Hefe und Wasser. Die Hefe sorgt dafür, dass der Zucker zu Alkohol wird. Diese Reis-Hefe bzw. die Hefepilze sind sehr empfindlich und dürfen nicht mit anderen Pilzen in Berührung kommen. Deshalb sind reines Wasser und eine saubere Luft besonders wichtig. Der Geschmack des Reisweins wird durch Umweltfaktoren stark beeinflusst. 

    sake-zukuri – Zum Ablauf der Reiswein-Herstellung: Der Sake-Reis ist eine spezielle Reissorte und etwas größer als der normale Speisereis. Er wird langsam und sorgfältig schneeweiß poliert, denn die äußere Schicht ist für den Duft und Geschmack des Reisweins unerwünscht. Die Art des Polierens des Reises ist bestimmend, wie der Wein zum Schluss werden soll. Der polierte Reis wird gut gewaschen und anschließend im Wasser ziehen gelassen, bis er die gewünschte Wassermenge eingesogen hat.

    musu – Der Reis wird gedämpft: Der Reis wird daraufhin ganz locker und weich gedämpft, damit die Hefepilze später leicht in ihm arbeiten können. Diese Arbeitsphase ist sehr wichtig für die nachfolgenden Prozesse.

    Abb. 5: Der Reis wird in dem großen oke-Fass gekocht. 
    Aus einer kolorierten Zeichnungsserie der Tsuchida Honten Brauerei 
    in der Präfektur Gumma (Japan).

    koji-zukuri – Herstellung der Reis-Hefe: Der gedämpfte Reis wird danach bis zur gewünschten Temperatur abgekühlt. Ein Teil des gut temperierten Reises wird mit Hefepilzen injiziert. Anschließend wird unter kontrollierter Temperatur und Feuchtigkeit die Reis-Hefe angesetzt. Die Qualität der Reis-Hefe bestimmt den Duft des Reisweins.

    Abb. 10: Herstellung der Hefe. Detail aus der Holzmalerei im Matsuo-Schrein, 1883. (vgl. Abb. 1.).

    sakabo – Die Mutter des Sake-Reisweins: Die für die Reisweinherstellung unentbehrlichen Hefepilze werden in einem Gemisch von Wasser, gedämpftem und richtig abgekühltem Reis angesetzt, wo sie sich allmählich vermehren. Die daraus hervorgehende wohlriechende Substanz nennt man sakabo, was wörtlich „Mutter des Reisweins“ bedeutet.

    moromi – „Reis-Maische“: In einem nächsten Arbeitsprozess werden erneut Wasser, gedämpfter und abgekühlter Reis, Reis-Hefe und sakabo zusammen gemischt. Unter einer konstanten Temperatur von 12 Grad gärt das Gemisch etwa einen Monat lang, woraus die moromi (eine Art Reis-Maische) hervorgeht.

    assaku – das Auspressen: Nach dem Gärungsprozess wird moromi ausgepresst. Die Flüssigkeit ist der erste Roh-Reiswein. Die ausgepresste Masse nennt man sake-kasu (Reiswein-Rückstand).

    jōsei – Reifung des Reisweins: Der Roh-Reiswein wird filtriert. Danach wird er auf 60–65 Grad erhitzt und sterilisiert. Bei 15 Grad muss der Wein dann 6–12 Monate langsam weiter reifen.

    Verfeinerung, Abfüllen und Versand: Wenn der Wein die gewünschte Reife erreicht hat, wird er nochmals verfeinert, hygienisch in die Flasche gefüllt und verschickt.

    Traditioneller Anlass und Funktion des Singens

    Die Lieder zum Herstellen von Sake (sake-zukuri-uta) wurden aus mehrfachen Gründen gesungen: (1.) um die Zeit zu messen (damals gab es noch keine Uhren), (2.) um die Anzahl der getragenen Fässer zu zählen, (3.) um die Bewegungen der Arbeiter zu koordinieren, (4.) um leistungsfähiger zu arbeiten, (5.) um die Qualität der Arbeit durch den Gesang zu verbessern, denn man bewegte sich damit koordinierter und zielgerichteter, (6.) um dem Meister zu verstehen zu geben, dass die Arbeiter bei der Arbeit sind, (7.) um die Härte der Arbeit zu überdecken, (8.) um die Stimmung zu heben und (9.) um sich an den Liedern gemeinsam zu erfreuen.

    Ein Sprichwort aus den Sake-Werkstätten besagte „uta-han-kyūkin“: „Die Hälfte des Lohns wird für den Gesang bezahlt.“ Die Arbeit war immer anstrengend und gefährlich, denn man musste im Winter früh am Morgen mit der Arbeit beginnen, ständig den Zustand der Gärung überprüfen und mit kochendem Wasser hantieren. Die Arbeiter brauchten die Lieder, um bei der Arbeit auf sich und auf die anderen aufmerksam zu machen und um sich gegenseitig anzuspornen. Trotzdem konnte man nur während den relativ entspannten Arbeitsprozessen singen. Bei den Aufgaben, die – wie beim Herbeibringen des heißen Wassers – sehr gefährlich waren oder aber sehr große Kraftanstrengungen erforderten, wurde nicht gesungen.

    Die Arten der Sake-Arbeitslieder

    Die Lieder zur Arbeit (sake-zukuri uta) werden nach zwei komplementären Kriterien eingeordnet:

    (a) nach der Art des Singens im freien Rhythmus oder – im Gegensatz dazu – das Singen mit einem festen Taktschema. Einige Lieder haben feste Rhythmen. Die anderen wurden während der traditionellen Arbeit von den Sängern freigesungen. Bei den erstgenannten sangen mehrere Personen zusammen. Diese Lieder wurden gesungen, um die Bewegungen von mehr als zwei Arbeitern zu koordinieren. Zuerst fing einer allein zu singen an, danach folgten die anderen im Chor. Die frei-rhythmischen Lieder wurden in der Regel von einem einzelnen alleine gesungen. Es gab hierzu einige Grundmuster, jedoch veränderte der Sänger mit seiner besonderen Stimmlage und seinem individuellen Ornamentieren den Takt und die Melodie nach eigenem Geschmack.

    (b) Ein weiteres Kriterium, leitet sich nach der Art des Singens ab, je nachdem, ob deklamiert oder rezitiert wird. Einige Lieder sind melodisch, andere haben fast keine Melodie und klingen wie emphatisch deklamierte Gedichte oder rezitierte Gebete. Die melodischen Lieder (uta) sang man, um die Arbeitsabläufe besser aufeinander abzustimmen. Deklamierte Texte (katari) wurden vorgetragen, um die Anzahl der schweren und herbeigetragenen Fässer zu zählen. Wieder andere Texte deklamierte man in Rezitationsform (tonae-goto) zu Ehren der schintoistischen Gottheiten (kami). Außer diesen Gesängen gab es noch die Weckrufe (so-oki), mit denen die Arbeiter um vier Uhr früh vom Assistenten des Meisters (kashira) mit langgezogenen Tönen zur Arbeit gerufen wurden.

    Die Arbeitslieder (sake-zukuri uta) waren im allgemeinen unbegleitete Gesänge, jedoch spielte der tiefe, reibende Klang, der bei der Reinigung der Fässer durch die verwendeten Bambuswerkzeuge (sasara) entstand, eine wichtige Rolle, ebenso das Plätschern des Wassers, das beim Umrühren des fermentierten Reises mit den langen Stöcken zu hören war. Beide, Stock und Wassergeplätscher, gaben zuweilen den Rhythmus für die Gesänge vor.

    Das Sänger-Ensemble Koshiji-machi Sakezukuri-uta wo utai-tsugu kai

    Das Sängerensemble der Sake-Bauern stammt aus der nordjapanischen Stadt Koshiji, die fünf Kilometer von Nagaoka entfernt in der Präfektur Niigata liegt. Sie wurde 2005 mit anderen kleineren Städten in die Stadt Nagaoka integriert. Die Stadt Koshiji stand im Herzen der Präfektur Niigata und in der Mitte des längsten Flusses Japans, Shinano-gawa. Dem Fluss Shinano verdankt man den fruchtbaren Boden und das reichlich vorhandene Wasser mit dem ausgezeichneten Reis der Region. Im damaligen Koshiji gab es einige technisch führende Sake-Brauereien. Viele der toji-Brauer (Meister der Sake-Herstellung), die nicht nur in der Niigata Präfektur, sondern in ganz Japan tätig sind, stammen aus der Stadt Koshiji. Letztere war besonders bekannt durch die Leuchtkäfer, deren Larven nur in ganz sauberem, klarem Wasser überleben und zugleich ein Symbol für die Markenzeichen des guten Sakes sind. Um die gesunde Umwelt zu schützen, in der die zahlreichen Leuchtkäfer in den Sommernächten den Himmel schmücken, wird besonders Wert auf eine biologisch-dynamische Landwirtschaft gelegt.

    Koshiji-machi Sakezukuri-uta wo utai-tsugu kai, der Verein zur Pflege der Sakelieder widmet sich der Pflege und der Weitergabe der traditionellen Lieder und Gesänge und bietet zugleich auch mit der Aufführung auf der Bühne eine Diskussionsgrundlage zu Inhalten, Form und Aufführungspraktiken im Kontext des Immateriellen Kulturerbes.
    Das Ensemble setzte sich (2002) aus den folgenden Sängern zusammen:

      Yoshio Gō (Kawachū Shuzō Brauerei)
      Kenichi Torishima (Tōshun Shuzō Brauerei)
      Genji Sato
      Seiichi Hirasawa (Takahashi Shuzō Brauerei)
      Hiroshi Komeyama (Wakatsuru Shuzō Brauerei)    
      Heisaku Tanaka
      Kentarō Kiso (Asahi Shuzō Brauerei)
      Katsuji Shirai (Kawachū Shuzō Brauerei)
      Kenji Sato (Asahi Shuzō Brauerei)
      Muneyoshi Higuchi (Hiki Shuzō Brauerei)

    Im Rahmen der Städtefreundschaft zwischen Japan und Bamberg besucht der Bürgermeister von Koshiji mit zehn Sake-Brauern die Stadt Bamberg im Jahre 2002. Zum ersten Mal traten die Sänger aus diesem Anlass mit ihren traditionellen Arbeitsliedern im Ausland auf, um die Kultur rund um die traditionelle Sake-Herstellung vorzustellen und sich im Gegenzug auch ihrerseits über die deutsche Kultur rund um die Bier-Herstellung in Franken zu informieren. Im Anschluss daran folgten weitere Konzerte in Köln und in Erlangen.

    Die Männer waren zu jener Zeit (2002) bereits über 70 Jahre alt. Erstaunlicherweise erinnerten sich die älteren Sänger nach mehr als dreißig Jahren ihrer letzten manuellen Sake-Produktion an jeden einzelnen Gesang. Die jüngere Generation erfuhr die sake-zukuri uta bereits nicht mehr bei der traditionellen Sake-Herstellung, sondern eignete sich die Lieder in der Zwischenzeit von den alten Sängern an. Wenn die Brauer-Sänger in ihrem Verein dieses Liedgut nicht weiter pflegen, so ihre Auffassung, wird es bald völlig verloren gehen. Diese Zeit wird vermutlich bald kommen. Dies war auch einer der Gründe, weswegen Kiyoko Motegi die Lieder auf CD und im Videofilm dokumentierte und es für wert befand, dieses Kulturerbe der japanischen Arbeitslieder in Japan und auch international bei Konzerten in Deutschland bekannt zu machen.

    Programm und Erläuterungen zu den Gesängen

    In der Aufführungspraxis werden die Gesänge kommentiert und – wo die Möglichkeit geboten war – auch unterstützt durch einfache, stilisierte Requisiten aus Holz, wie Reisbottiche, Schöpfkellen und weitere Gerätschaften, die besonders den rhythmischen Arbeitsablauf durch die damit verbunden Arbeitsgeräusche mitbestimmen. Der lange Arbeitstag war geprägt durch die Gesänge von morgens in der Frühe mit dem Weckruf bis in den späten Abend mit Gesängen, die vom Erfolg des Tages künden.

    [1.] Sō-oki-no koe (0:11): Weckruf zum Aufstehen der Arbeiter.

    [2.] Nagashi uta (4:18): Gesang zum Reinigen der Gefäße mit Wasser.

    [3.] Oke-arai uta (5:20): Das Reinigen der großen oke-Fässer.

    [4.] Kome-arai uta (3:13): Gesang zum Waschen des Reises.

    [5.] Motosuri uta (3:52): Gesang zur Messung der Fermentierungszeit.

    [6.] Kazuban uta (3:17): Deklamation zum Zählen der Maßeinheiten.

    [7.] Shikomi-gai (1:53): Gesang zum Umrühren mit dem Stock.

    [8.] Kiri-bi (0:54): Rezitation zum Feuersteinschlagen.

    [9.] Niban-gai (4:18): Gesang zum zweiten Umrühren mit dem Stock.

    [10.] San-koro (4:31) und niban-gai-dochu-uta (1:13) Gesang zur dritten Phase der Fermentation.

    [1.] Sō-oki-no koe (0:11): Weckruf zum Aufstehen der Arbeiter.

    Um vier Uhr morgens weckte die Stimme eines Arbeiters, dessen Aufgabe das Reiskochen war, alle Sake-Brauer auf. Mit diesem bedeutungsvollen Weckruf begann ein neuer Tag. In mancher Sake-Werkstätte wurde die Stimme eigens trainiert, um den Ruf besonders gut zu gestalten. Der langgezogene Ruf ist der schintoistischen „Stimme des Amuletts“ (keihitsu) sehr ähnlich. Das ist entweder zweimal ein gedehntes ō----i, mit kurzem oi oder dreimal ein ō---i, mit rasch folgendem oi, oi.

    [2.] Nagashi uta (4:18): Gesang zum Reinigen der Gefäße mit Wasser.

    Dieses Lied sang man morgens beim Reinigen der für die Zubereitung benutzten Werkzeuge. Das Tempo passte sich den Arbeitsbewegungen an. Einer singt nach dem anderen. Weil man improvisiert, verändern sich die Melodie und der Takt ab und zu. Manchmal fängt der nächste Sänger an zu singen, bevor der erste Singende bis zum Ende seiner Phrase gekommen ist. Dies bringt eine schöne Melodie hervor. Die beiden Sänger zusammen bilden einen dialogischen Klang. Der Reiz des Liedes liegt in der Überlagerung der beiden Stimmen.

    Liedverse:

    1.    Wer wäscht heute früh die Werkzeuge, ist es jener, der die Wascharbeiten verrichtet oder ist es jener der den Sake filtert? Die Stimme des letzten Sängers ist sicher der Verantwortliche fürs Reiskochens. (Der Sänger dieses Liedes hört die anderen singen und vermutet, wer singt.)
    2.    Abends rührt man den Sake-Reisbrei und nachts liegt er im Dampftopf. Was wir jetzt machen, ist ein guter Sake, den man abends trinkt.
    3.    Er sah wie ein fürchterlicher Teufel aus, wenn er die Werkzeuge wusch. Er war aber so lieb und weich wie eine Katze, als ich mit ihm in jener Nacht schlief.
    4.    Wer wäscht heute früh die Werkzeuge? Ich höre die Stimme des Liebchens.
    5.    Ich verliebte mich in ihn, ohne zu wissen, dass er Sake-Brauer war. Im blühenden März trennten wir uns weinend, (weil er zu seiner Familie zurückkehrte). [Eine andere Interpretation (für den zweiten Satz): Wir trennten uns weinend, weil er im März nach Echigo zurückkehrte].
    6.    Wenn das Liebchen die Werkzeuge wäscht, hoffe ich immer noch, „dass das Wasser noch wärmer würde, und es doch keinen Wind gäbe!“

    [3.] Oke-arai uta (5:20): Das Reinigen der großen oke-Fässer.

    Im Herbst fing die Sake-Herstellung an. Zu diesem Zwecke brachte man ein großes oke-Fass aus der Brauerei heraus und stellte es zum Reinigen auf. Das oke-Fass umfasste etwa zwei Meter sowohl im Durchmesser als auch in der Höhe. Das oke-arai-Lied wurde gesungen, wenn ein Arbeiter das hingelegte Fass mit einem Bambus-Schrapper reinigte. Das Lied besitzt keinen bestimmten Rhythmus, man singt es wie im nagashi uta eins nach dem andern. Da es in der Brauerei mehrere Fässer gab, ertönten gleichzeitig auch mehrere Gesänge. Der Arbeiter putzte singend, um kraftvoll im Takt die Arbeit zu verrichten und um seinem Herrn und Meister seine gute Arbeit anzuzeigen. Außerdem konnte mit dem Singen die Härte der Aufgabe kaschiert werden. Eine einzelne Bewegung passte jeweils mit einer Strophe zusammen.

    1.    Das Fass klingt von sich allein? Oder es klingt es, weil man mit sasara (einem Werkzeug, mit dem man die Fässer putzt) das Fass scheuert? - Es klingt so schön, weil die Maserung des Fasses und das sasara-Werkzeug sich einander beißen.
    2.    Ich höre, aber sehe ihn nicht. Das Liebchen ist nun im Fass.
    3.    Wenn das Liebchen das Fass wäscht, hoffe ich immer noch, dass das Wasser noch wärmer würde, und es keinen Wind gäbe!“
    4.    Ich ging von Niigata aus, kam zum Usui-Tōge-Pass (der zwischen Gunma und Niigata liegt) und hörte Vögel singen. Meine schwangere Frau liegt mir sehr am Herzen. (In Japan sagt man, dass Vögel uns manchmal wichtige Sachen ankündigen.)
    5.    Mach dir die Haare neu und werde meine Frau, dann nehme ich dich nach Niigata mit! Ich kann dich nicht mitnehmen, wenn deine Frisur shimada, d.h. die eines jungen Mädchens bleibt. (shimada ist ein Haarschnitt, den jünge Mädchen hatten).
    6.    (Gleich wie in (5) Nagashi-uta).
    7.    Wir sehen uns sicher im September wieder, wenn die Chrysanthemen blühen, und wenn wir uns im März trennen, wenn die Kirschen blühn.

    [4.] Kome-arai uta (3:13): Gesang zum Waschen des Reises.

    Das kome-arai-Lied wurde zum Waschen des Reises gesungen. Wie dies ausgeführt wurde, unterschied sich von Ort zu Ort. In Koshiji stellte sich einer in ein mit Reis und Wasser gefülltes Fass, trat auf den Reiskörnern herum und wusch auf diese Weise mit stampfenden Füssen den Reis. In einer anderen Gegend, wie in Niigata, steckten mehrere Arbeiter ihre rechten Füße in einen Holzzuber und reinigten mit stampfenden Bewegungen den Reis im Wasser, während ihre linken Füße draußen blieben.

    1.    Aus dem Reis, der momentan gewaschen wird und (das Geräusch von) torori sharari hervorbringt, wird später Sake und er wird dann nach Edo (in die damalige Hauptstadt / heute Tokyo) gebracht.
    2.    Die Sakes, die nach Edo exportiert werden, heißen Ken-bishi und Otoko-yama. Sie sind sehr populäre Sakes.
    3.    Ich mag lieber Iro-musume („ein reizendes Mädchen“) als Ken-bishi- und Otoko-yama-Sake.
    4.    Auf der shimada-Frisur des Mädchens steht ein Schmetterling. Ich kann ihn sehr gut verstehen, weil das Mädchen so hübsch ist.
    5.    Wenn mich jemand für eine Blume hält, so muss ich doch noch blühen. (Es ist zu schade, ohne Liebe zu sein.) Trotzdem schäme ich mich für die Früchte, (schwanger zu werden).
    6.    Lasst uns mal die Pfeife rauchen! (Lasst uns mal eine Pause machen!)

    [5.] Motosuri uta (3:52): Gesang zur Messung der Fermentierungszeit.

    Das moto-suri-Lied vereinte die Bewegungen von drei bis vier Arbeitern und wurde gleichzeitig zur Zeitmessung verwendet. Dies ist einer der Gründe, weswegen es ein regelmäßiges und ordentliches Tempo aufweist. Zunächst singt ein Tonangeber die ersten zwei Strophen und danach folgen die anderen. In Japan gab es früher fünf große Straßen, die in die ehemalige Hauptstadt Kyoto führten. Es sind mehrere Texte von motosuri-Liedern überliefert, in denen diese Straßen genannt werden und über die Reise nach Kyoto berichten. Denn Angaben wie „Heute sind wir bis in (irgendeine Stadt) gekommen!“ waren praktische Hinweise für das Berechnen der benötigten Zeit.

    1.    Aus den Zutaten, die wir jetzt rühren, wird später Sake, und dieser wird nach Edo gebracht.
    2.    Es ist nicht mehr so, dass man den Sake nur nach Edo exportiert, inzwischen herrscht auch hier eine Nachfrage.
    3.    Die heimisch-populären Sakes sind gut. Gute Sakes sind Kenbishi und Otoko-yama.
    4.    (Gleich wie in (3) Kome-arai uta).
    5.    (Gleich wie in (4) Kome-arai uta).
    6.    Lasst uns die Zutaten schnell rühren, sonst wird es Morgen. Es wird immer heller, und die Vögel singen schon.
    7.    Lasst uns mal eine Pause machen!

    [6.] Kazuban uta (3:17): Deklamation zum Zählen der Maßeinheiten.

    Die kazuban-Ausdrucksform wurde deklamiert, um die Anzahl der benötigten Maßeinheiten zu zählen. Bei der Sake-Herstellung musste eine bestimmte Anzahl von mit Wasser gefüllten Eimern und Bottichen mit gekochtem Reis in die oke-Fässer gebracht werden. Dazu musste alles genau abgezählt werden und man musste jeweils genau wissen, wie viele Gefäße bereits geleert wurden. Jede Strophe fängt mit einem Wort an, das die laufende Zahl anzeigt. Es handelt sich nicht um ein melodisches Lied, sondern eher um eine Art betontes Rufen. In Japan wurden jedoch nicht nur die melodisch gestalteten Lieder, sondern auch Gesangformen, die als deklamatorische Erzählweisen oder emphatisch gestaltete Rufe erklingen, als „Lied“ (uta) charakterisiert.

    1.    (Der Tempel) Shinpo-koudai-ji (in Niigata) ist berühmt für den hana-gasa-Tanz. (shin bedeutet „neu“. Durch das Wort wird angezeigt, dass das Lied mit dieser Strophe anfängt.)
    2.    Die Namen des (Tempels) Tschūzen-Ji’s, der in (der Präfektur) Tochigi in Nikkō liegt, und des (Tempels) Zenkō-Ji’s sind sehr dankenswert. (ni in Nikkō heißt „zwei“.)
    3.    Osan gebar ein Kind, dann herrschte in der Küche ein Gedränge. (san bedeutet „drei“.)
    4.    Yotsuya, Akasaka und Kōjimachi sind in Tokyo. Ochanomizu ist das Tropfen. (Mit den Namen der Städte ist die Nummer der Strophe angezeigt.)
    5.    Beim Morgengrauen läuten die Glocken des Tempels. Das Liebchen könnte aufwachen. (Das Läuten am Morgen tritt oft im Text der traditionellen Lieder auf, weil es symbolisch zum Ausdruck bringt, dass ein Mann von der Freundin zu seiner Ehefrau zurückkehrt.)
    6.    In Takada in Niigata (im jetzigen Jōetsu) gibt es 6.000 Häuser. In Japan schneit es dort am meisten. (Schon sehr früh gab es in Takada einen Ort, wo man die Menge des niedergegangenen Schnees maß. Immer noch gibt es dort sehr viel Schnee, und manchmal schneit es einen Meter hoch während einer Nacht.)
    7.    Die arme Oshichi (der Name eines Mädchens) ist im Wald von Suzugamori (im heutigen Tokyo) gestorben. (Oshichi ist ein junges Mädchen, das als Gestalt oft im Kabuki-Theater und im Bunraku-Puppenspiel auftritt. Sie wurde in Suzugamori hingerichtet, weil sie log und einen Feueralarm auslöste. Im allgemeinen Wirrwarr verhalf sie dabei einem Freund zu entkommen).
    8.    Bandō Tarō ist ein Schiffer auf dem Tone-gawa(-Fluss). Niemand kann ein Floß besser lenken als er.
    9.    Der wilde Kuwazō-Mann hat ein drolliges Gesicht, und du (die Frau oder Freundin?) hast eins wie (die Teufelin) Hannya (im Nō-Spiel).
    10.    Den Markt von Konpira gibt es alle zehn Tagen. Unsere Liebe haben wir höchstens nur dreimal pro Monat.
    11.    (Der erste Satz ohne Sinn). Ich verliebte mich in dich.
    12.    Ich betete zu Jyūniyakushi, (den zwölf Gottheiten), um eine Beziehung eingehen zu können mit dem hübschen Mädchen.
    13.    Es ist zu früh, mit dreizehn jemanden zu heiraten. Lasst mich warten bis zu meinem vierzehnten Frühling.
    14.    Der Junge wurde vierzehn und hatte zum ersten Mal Geschlechtsverkehr.
    15.    Der Vollmond ist rund. Die (gepressten) hinerimochi-Reiskuchen, die von dem für das Reiskochen Verantwortlichen gemacht werden, sind zu dick und zu groß. (→Der Mann ist zu dick und groß).
    16.    (Der erste Satz ohne Sinn, aber sehr rhythmisch: Rakan (eine buddhistische Gottheit), Yōkan (eine japanische Süßigkeit aus Bonen) und Nakan (bedeuten: „Ich will nicht weinen!“).
    17.    Die Haare des siebzehnjährigen Mädchens hat die Form von nage-shimada.
    18.    Batō, Karasuyama (beides sind zwei kleine Städt in Tochigi, aber sie bedeuten wahrscheinlich den Namen zweier Gottheiten). Die Farbe ist schwarz, und die Augen glänzen. (Die Sätze machen keinen Sinn: ba von batō ist ein Wort für „Pferde“; tō für „Kopf“, karasu in „Karasuyama“ steht für „Krähe“ und „Yama“ für „Berg“. Die Wörter symbolisieren vermutlich einen Jungen, weil in der siebzehnten Strophe schließlich ein junges Mädchen auftritt).
    19.    Neunzehn Jahre alt zu sein, ist für Frauen ein unglückliches Jahr.
    20.    Zwanzig Tage. Hiermit ist alles zu Ende.

    [7.] Shikomi-gai (1:53): Gesang zum Umrühren mit dem Stock.

    Mehrere Arbeiter singen dieses Lied gemeinsam, während sie den noch jungen Sake in einem großen Fass mit langen Stöcken (kai) umrührten. Die Aufgabe bezog sich auf die zweite Hälfte des Arbeitsgangs.

    1.    Shikomi-gai ist ein sehr guter Sake, den man im kalten, harten Winter herstellte und der bis in den Sommer hinein sich hielt.
    2.    Wenn jemand einem Mädchen von diesem Sake zu trinken gab, verliebten sich beide ineinander.
    3.    Wollen wir dann eine Tee-Pause machen, wenn unsere Arbeit so weit ist?
    4.    Ja, wir sind fertig. Lasst uns eine Pause machen!

    [8.] Kiri-bi (0:54): Rezitation zum Feuersteinschlagen.

    Mit dieser gebetsähnlichen Rezitation bat man die Gottheit (kami) um Sicherheit und guten Erfolg beim Herstellen des Sake. Zuerst wurden Wörter gesprochen als würde man zu Buddha beten. Danach nannte man die Namen der nahestehenden Gottheiten und wünschte für sich eine erfolgreiche Reife des frischen Sakes.

    [9.] Niban-gai (4:18): Gesang zum zweiten Umrühren mit dem Stock.

    Der Bezeichnung niban-gai bezieht sich wiederum auf die Tätigkeit des Umrührens mit dem Stock, gibt aber zugleich auch dem Lied seinen Namen, weil es immer bei dieser Verrichtung gesungen wurde. Man stand auf dem Rand des großen Fasses, in dem die Sake-Zutaten waren, und durchstieß mit einem 260 cm langen Stock die Reis-„Maische“. Zweimal stieß man leicht die Oberfläche an und einmal kräftig bis in den Grund des Fasses. Das Lied passt zu der Bewegung des Durchstoßens: der dritte Takt gibt den Akzent. Im Vergleich zu shikomi-gai (7.) ist das Lied melodischer gestaltet. Der Text macht klar, dass man das Lied etwa gegen zwanzig Uhr sang, wenn der Sake bald fertig war. Dieses Lied wurde bei der letzten traditionellen Sake-Herstellung bereits nicht mehr gesungen, aber nachdem die Feldforschungsdokumentation um 1994 bereits initiiert wurde, belebte man es von neuem.

    1.    Immer fühle ich mich nach dem Baden sehr frisch.
    2.    Heute Nacht stoßen wir „moromi“. Dies wird später Sake, der nach Edo gebracht wird.
    3.    Die Nihon-Brücke in Edo brach in der Mitte auseinander. Deshalb mussten viele Daimios, (Fürsten aus Japan und in der Edo-Zeit) zu Hause bleiben.
    4.    Es wäre egal, wenn die Daimios gestört würden, aber nicht so, wenn es mein Liebchen ist.
    5.    Bald wird der Sake fertig sein, deshalb sind wir alle glücklich. Da die Werkstatt sehr reich ist, sind die Fenster mit Gold umrahmt und die Vorhänge sind aus Geld.
    6.    Na, stoßen wir einmal in die Mitte, einmal in die Seite und beenden wir alles!
    7.    Ich will auch Schluss machen. Dann fangen wir an. Auch ich will daran teilhaben.

    [10.] San-koro (4:31) und niban-gai-dochu-uta (1:13) Gesang zur dritten Phase der Fermentation.

    Nach dem niban-gai (9.) erklingt währen der dritten Phase der Fermentation das san-koro-Lied. Es ist nicht klar, was der Titel bedeutet. Immer weniger Brauer kennen das Lied aus der Überlieferung und erst ab 1994 wurde es wieder neu ins Repertoire der Sake-Brauer-Vereinigung aufgenommen. Als Ganzes ist das Lied melodisch gestaltet, weist aber auch einzelne Teile auf, die jedoch einer eigentlichen Melodie entbehren. Das san-koro schildert eine Szene eines älteren Ehepaares, das zusammen über eine Brücke geht. Eine weitere Bedeutung des Liedes liegt in der Neckerei gegenüber dem Sex eines älteren Ehepaars. Der Geschlechtsverkehr eines älteren Ehepaares ist oft in der traditionellen japanischen Kunst dargestellt. Am deutlichsten tritt dies in dem Spiel von ta asobi zu Tage, welches die Szene des Reispflanzens darstellt. In dem Spiel treten eine Frau und ein Mann auf, die sich lieben. Metaphorisch wird damit eine gute Ernte gewünscht. Auch in einem Text von Manzai kommt der gleiche san-koro-Inhalt vor. Es gibt eine Interpretation davon, dass der Geschlechtsverkehr eines älteren Paares die Paarung zweier Gottheiten symbolisiere und eine gute Ernte hervorbringe. Zum Abschluss der Arbeitslieder der Sake-Bauern hört man solche Texte, da man mit diesen für sich einen guten Erfolg erhofft.

    1.    Eins, zwei, drei. Wir stießen sehr gut zusammen. Vor allem zum zweiten und dritten Mal waren wir absolut im Gleichklang.
    2.    Wohin geht der ältere Mann? Er geht in den Wald auf dem Berg, Paulownia, Reisig sammeln, die Botanisiertrommel und die Sichel um die Hüfte tragend.
    3.    Wohin geht die ältere Dame? Sie geht zur Schwiegertochter, um das Enkelkind zu sehen, und sie trägt ein fünf shō großes Fass um die Hüfte (ein shō ist 1,80391 l).
    4.    Es ist gefährlich, über die aus einer Bambusstange bestehende Brücke herüberzugehen, aber wir gehen zusammen und nehmen uns bei den Händen. Wollen wir den Schirm aufspannen, den wir aus Ōsaka mitgebracht haben, uns küssen und über diese Brücke hinübergehen? Auch wenn wir ins Wasser fallen und sterben, ist es mir egal, wenn ich nur mit dir zusammen sein kann.

    Track 10: San-koro

     

    Track 11: Niban-gai-dochu-uta

    Dank

    Mit Dank an die Sänger der Sake-Brauer: Yoshio Gō, Kenichi Torishima, Genji Sato, Seiichi Hirasawa, Hiroshi Komeyama, Heisaku Tanaka, Kentarō Kiso, Katsuji Shirai, Kenji Sato, Muneyoshi Higuchi, sowie an den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Koshiji, Herrn Tsutomu Ôno, an Herrn Teiji Shima (Asahi Shuzō Brauerei, Koshiji), Herrn Masakazu Arai (Niigata ken shuzō jūgyōin kumiai regō kai), Frau Yukiko Tamaki und Herrn Hiroyasu Kiso (beide Rathaus von Koshiji), Herrn Takeshi Uchiyama (Tsuchida Honten Brauerei, Gumma-Präfektur).

    Impressum

    Kiyoko Motegi (Hrsg.): Traditionelle Arbeitslieder der Sake-Brauer von Echigo (Japan).
    Im Zusammenhang einer Veranstaltung der Joētsu Universität für Erziehungswissenschaft (Musikwissenschaft) und der Universität Bamberg (Ethnomusikologie/Volksmusik) und in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Japanischen Verein Bamberg und dem Japanische Kulturinstitut zu Köln.

    Texte: Kiyoko Motegi (Basistext); Programmtext (Heinz-Dieter Reese); Yukiko Tamaki (Zur Sake-Produktion).

    Übersetzungen: Erika Wakayama (Basistext) und Kiyoko Furimoto (Zur Sake-Produktion).

    Fotos: Takeo Suzuki (Matsuo-Schrein, mit Detail-Ausschnitten); Jiyiko Motegi (Brauerei); Jūzō Shimizu (View Fukushima-gata); Tsuchiya Shoten (Zeichnungen und Fotos zur Sake-Herstellung); Tomio Nakamura (Koshiji).

    Tonaufnahmen: Kiyoko Motegi, mit Erlaubnis Nippon Columbia Co. Ltd. (Die Welt der Sake-Lieder, aufgenommen und hrsg. von Kiyoko Motegi. Niigata, Japan: Nippon Columbia, 1998 (CD COCF-15050).

    Kompilation und Gesamtredaktion: Max Peter Baumann.

    Copyright 2002: Bamberg: Kiyoko Motegi (Jōetsu University) und Max Peter Baumann (Universität Bamberg).

    Website 2019: Universität Würzburg, Institut für Musikforschung (Betreuung: Oliver Wiener).

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