Intern
    Institut für Musikforschung
    bestandban homebestand

     

    Tanpura (Standardausführung, 1980er Jahre) – StW 5

    Stiftung von Barbara und Jörg Kühne, Mähringen (2012).

    Männliche Tanpura (Länge: 143 cm; Breite 44 cm; Tiefe 37 cm, Grundton: C bis D). Es handelt sich um ein Standardmodell, das in kleinen, unbekannten Werkstätten seriell gefertigt wird. In die Halsoberseite eingestanzt ist der Produktions-Vermerk RKS/T/A416. Das Instrument ist aus Tun-Holz gebaut (Toona ciliata) und hat eine hochglanzpolierte Schellackoberfläche mit rötlich-braunen Farbtönen. Neben dem Schnitzwerk am Resonanzkörper zieren Zelluloidmusterleisten und einfache Zelluloideinlegearbeiten Hals, Front und Rückseite des Instruments. Die Wirbelköpfe sind gedrechselt; die Feinstimmer bestehen aus Kunststoff.

    Die zum Typus der Langhalslaute zählende Tanpura ist als Borduninstrument Harmonieträger. Sie wird entweder aufrecht im Schoß, am Boden stehend oder quer über dem Schoß gespielt, wobei die klassische Spielweise verlangt, dass die Finger nicht quer, sondern parallel über der Mitte der Saiten liegen. Nacheinander werden die erste Saite (Mittelfinger), dann die folgenden Saiten gezupft bzw. mit der Innenseite der Fingerkuppen rhythmisch, dabei aber möglichst wenig mechisch wirkend, angestrichen. Nach Anzupfen der vierten Saite wird ein Ausklingzeitraum gegeben.

    Der obertonreiche und variabel-farbige Klang der Tanpura-Saiten entsteht durch den breiten Steg, der in einem sehr spitzen Winkel zur Saite steht, so dass beim Anzupfen und den folgenden Minus-Schwingungsphasen der Saite ein kurzer schnarrender Kontakt mit der Stegoberfläche resultiert. Diese Klangerzeugung heißt javārī, ein Wort, das sowohl das akustische Phänomen wie den akkurat geformten Steg bezeichnet. Für die nuancierte Kontrolle des Schnarrens werden zwischen Saiten und Steg Baumwollfäden eingezogen.

    Die Stifter haben das Instrument Mitte der 1980er Jahre nach dem Besuch eines Obertonseminars bei Michael Vetter über dessen damalige Lebensgefährtin bestellt. Die Tanpura ist damit Zeugnis einer besonderen Spielart der Indien-Rezeption in der BRD der 1980er Jahre.

    Vetter (1943–2013), der seit den späten 1950er Jahren die experimentellen Möglichkeiten der Blockflöte in Hinblick auf Mehrklänge und Mikrotonalität erforscht hatte, spielte in den 1970er Jahren eine wichtige Rolle im Umkreis der Interpreten für Stockhausens "intuitive" Kompositionen (Expo ’70, Kugelauditorium in Osaka: Hymnen, Spiral, Pole, Aus den sieben Tagen). Fast zehn Jahre hielt sich Vetter ab 1973 als Zen-Mönch in Japan auf, setzte dort seine Ideen zu einem „strukturellen Theater“ um und fasste  1981 seine Erfahrungen und Konzepte im Sammelband „Shijima no oto“ (Klang der Stille) zusammen. 1983 nach Deutschland zurückgekehrt, gründete er das „Zentrum für meditative Kommunikation und kommunikative Meditation“ in Todtmoos-Rütte. 1993 zog er mit seiner multimedial arbeitenden Schule ("Schule der Lebenskunst“) zu einem Ort bei Seggiano/Grosseto (Toskana) und nannte sie Accademia Capraia. Zu den Kursen der Vetterschen Accademia zählten Obertonsingen und Singen zur Tanpura. Hierzu heißt es auf der Website "transverbal": "Singen zur Tambura: Das sich selbst erfindende Lied. Melodische Dialoge. Träumendes und wachendes Singen. Der Raga der Intuition. Musikalische Psychoanalyse".

    {2014–03–09} ow

    Kontakt

    Institut für Musikforschung
    Domerschulstraße 13
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-82828
    Fax: +49 931 31-82830
    E-Mail

    Suche Ansprechpartner

    Domerschulstraße 13