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    Institut für Musikforschung

    Basel-Exkursion 2016: Bericht

    Kurz vor der Jahrtausendwende beschloss eine Maschinenfabrik, ihr Fabrikareal im Gundeldinger Quartier – einem Stadtteil Basels mit schachbrettartigen, amerikanisch anmutenden Straßenzügen – zu verkaufen. Im Zuge der Umnutzung des Areals entwickelte sich das nun Gundeldinger Feld genannte Gelände zu einer kleinen, bunt gemischten Welt mit Werkstätten, Büros, Restaurants, Bars und einem kleinen Nachtquartier – welches wir Musikwissenschaftsstudenten zusammen mit Herrn Prof. Konrad, Herrn Prof. Haug und Herrn Dr. Ewert nun zum wiederholten Male im Rahmen der Basel-Exkursion nutzten.

    Das Backpackerhostel, in dem wir vom 28. April bis 1. Mai unsere Unterkunft hatten, steht gewissermaßen im Kleinen für den Eindruck, den Basel bei uns hinterlassen hat: Ein nachhaltiges und gewinnbringendes Miteinander von Industrie, Technik und Kultur. Ein Hauptgrund dafür ist wohl das Leben und Wirken Paul Sachers in Basel. Der junge Dirigent heiratete 1934 Maja Hoffmann-Stehlin, die Witwe eines Pharmakonzern-Inhabers. Sacher nutzte die damit verbundenen finanziellen Mittel dafür, bedeutende Komponisten zu unterstützen und gründete unter anderem die Schola Cantorum Basiliensis und die Paul-Sacher-Stiftung.

    Mit dem Besuch der Paul-Sacher-Stiftung und einer Reihe von Veranstaltungen und Vorträgen in der Schola Cantorum Basiliensis boten sich eindrucksvolle Beispiele, wie Sachers Wirken heute noch Bestand hat. Dr. Heidy Zimmermann begeisterte uns mit einer Führung in der 1973 gegründeten Stiftung. Dabei bekamen wir einen Einblick in die Forschung, die in der Stiftung betrieben wird, und in die Verwaltung der gesammelten Nachlässe von Komponisten des 20. Jahrhunderts. Einen Höhepunkt bildeten die Autographe, die uns Frau Dr. Zimmermann zeigte – darunter auch Handschriften Strawinskis und Ligetis.

    Ein großer Teil unseres weiteren Programms fand an der Schola statt. Gleich am ersten Abend nahmen wir an einem gut besuchten Vortrag teil, der sich mit technischen Errungenschaften und Musik gleichzeitig beschäftigte, nämlich mit dem 3D-Druck von Zinken. Dass die „gedruckten Instrumente“ klanglich zumindest konkurrenzfähig sein können, war nicht von der Hand zu weisen. Wie dies aber nun zu bewerten sei, führte auch bei uns Studenten in den nächsten Tagen immer wieder zu Debatten.

    Der eigentliche Kern unserer Exkursion lag in den Vorträgen, die im Rahmen der Kontrapunktwerkstatt am Freitag und Samstag an der Schola stattfanden. Dabei bildete der Lineare Kontrapunkt einen Schwerpunkt. Neben Baseler Dozenten steuerte auch der Würzburger Student Holger Slowik einen Vortrag bei, der sich mit der Frage nach Linearität in der Neuen Musik befasste. Für uns – doch eher theoretisch orientierte – Studenten war außerdem der Workshop zum improvisierten Kontrapunkt ein weiterer Höhepunkt. Der zweite Schwerpunkt des Programms der Kontrapunktwerkstatt lag auf Robert Schumann. Herr Dr. Ewert berichtete über seine Schumann-Edition; Auffälligkeiten, die er im Rahmen dieser Arbeit feststellte, wurden in Vorträgen der Baseler Kollegen aufgegriffen und weiter diskutiert. So zeigte sich erneut, wie Praxis und Wissenschaft gewinnbringend ineinander greifen können: Über Fragen der Verzierungspraxis, die sich in Bezug auf Schumann mehrfach stellten, konnten sich Würzburger und Baseler besonders gut austauschen, da die „Historische Aufführungspraxis“ ein Bindeglied zwischen beiden Einrichtungen darstellt.

    Die Besuche im Baseler Theater lockerten das anspruchsvolle Programm auf. Von der ehemaligen Würzburger Studentin Anja Schödl – die heute am Theater Basel arbeitet – bekamen wir eine Exklusivführung in Bereiche der Einrichtung, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Danach nahm sich der Dramaturg Pavel B. Jiracek für uns die Zeit, einerseits über seinen Beruf im Allgemeinen zu reden, andererseits über das Vokaltheater Fauvel, dessen Premiere wir am folgenden Tag besuchen durften: Eine Oper mit historischem Bezug – auf die Versdichtung Roman de Fauvel aus dem 14. Jahrhundert einerseits, auf ein Werk des slowenischen Komponisten Lojze Lebic (Fauvel ’86) andererseits. Bei einem weiteren Aufenthalt im Theater beobachteten wir die Proben zu einem neuen Projekt mit dem Titel Melancholia. Jugendliche vom jungen theater basel und Musiker und Sänger vom La Cetra Barockorchester beschäftigen sich mit dem Begriff der „Melancholie“. Die Bewegungen, die die Jugendlichen selbst entwickelt haben und damit ein aktuelle Vorstellung von Melancholie darstellen, treffen dabei auf Musik der Renaissance und damit auf historische Konzepte von Melancholie. Besonders interessant für uns war dabei auch die Stückauswahl des Barockensembles, die nicht nur aus bekannteren Kompositionen wie Dowlands Time stands still bestand, sondern auch aus Werken von weniger bekannten Barockkomponisten wie Giovanni Valentini.

    Für die fabelhafte Organisation der lehrreichen Exkursion danken wir Herrn Dr. Ewert. Ein weiterer Dank gilt auch der Sacher-Stiftung, die die den Austausch zwischen Basel und Würzburg möglich macht. Wir hoffen, dass die Verbindung zwischen der Schola Cantorum Basiliensis und der Würzburger Musikforschung auch in den kommenden Jahren Früchte trägt und wir weiter Gelegenheit bekommen, Kontakte in Basel zu knüpfen.

    Lucia Swientek und Tim Eipert

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