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    Institut für Musikforschung

    Das »Semâî Efrenci« aus der Musikhandschrift Ali Ufkîs

    Der Titel des Instrumentalwerkes »Semâî Efrenci« ist zu übersetzen mit »Semâî nach Art der Franken«. Die Gattungsangabe Semâî bezeichnet eine musikalische Instrumentalform, die aus mehreren, in der Regel vier Sätzen (Hâne) besteht, die jeweils durch ein Ritornell (Teslîm) verbunden sind. Ein Semâî basiert rhythmisch stets auf einem Dreiertakt. 


    Die vorliegende Komposition aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ist das früheste Beispiel für die Rezeption europäischer Kunstmusik im osmanischen Reich. Sie versucht, mit den musikalischen Vorgaben der traditionellen türkischen Kunstmusik einen europoäischen Tanz – offenbar eine Gigue – zu imitieren.

    Der anonyme Komponist hatte vielfältige Gelegenheit, in der osmanischen Metropole europäische Musik zu studieren. Eine der Möglichkeiten findet sich in Paul Tafferners Beschreibung der Gesandtschaft des Grafen Walter Leslie an den Osmanischen Hof in den Jahren 1665–66, also etwa zu der Zeit, als die Handschrift Ali Ufkîs entstand: 


    »Es truge hingegen der Caymican beliebtes Verlangen die Europæische Lust-Music zuhören / vnd eine kleine Orgel oder Positiv / vnd das Kunstwerk der lieblich-klingenden Pfeiffen zubesehen / welches ihme dann vnuerzüglich überall gewisen / vnd zugefallen ein außbündig-schönes Stuck gespillet worden.«

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