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    Institut für Musikforschung

    Die Einführung der europäischen Notenschrift in der Türkei

    Spätestens um 1850 hatte das westliche Notationsverfahren in der Türkei eine gewisse Bedeutung erlangt. Ausgehend von dem europäisch geprägten, 1830 etabierten Militärmusikensemble am Hofe des Sultans gewann auch die Musik Europas und mit ihr das Klavier zunehmende Bedeutung für das Kulturleben der osmanischen Metropole. Das Aufführungsfeld der ehemals höfischen Kammermusik verlagerte sich mit deren Prestigeverlust in die Kasinos und Kaffeehäuser des mondänen stanbuler Stadtteils Beyolu. Dort avancierte sie, nachdem sie einen Gattungswandel durchlaufen hatte, zur Unterhaltungsmusik der gebildeten Beamtenschaft. Das Repertoire dieser Musik ist in zahlreichen Manuskripten in europäischer Notation aufgezeichnet worden.

    Um die gehobene Unterhaltungsmusik auch den westlich orientierten bürgerlichen Salons zugänglich zu machen, wurde sie bisweilen, bearbeitet für das Klavier, im Notendruck herausgegeben. Diese Wiegendrucke türkischer Kunstmusik erschienen erstmals in den 1870er Jahren.

    Ebenso wie die Handschriften in der Notenschrift Hamparsums sind auch die Manuskripte und Wiegendrucke in europäischer Notation bislang weder katalogisiert noch erforscht oder ediert. Die frühen türkischen Manuskripte und Drucke in europäischer Notenschrift verwenden zumeist keine Sondervorzeichen, um den Tonvorrat der traditionellen türkischen Kunstmusik genauer abbilden zu können. Erst im zweiten Dezennium des gegenwärtigen Jahrhunderts entwickelte Rauf Yekta Bey ein elaboriertes Notationskonzept, auf dem letztlich das heute in der Türkei gebräuchliche Aufzeichnungsverfahren beruht.

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