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    Institut für Musikforschung

    Eine Konzertina-Werkstatt

    Konzertina-Werkstatt Hader in Schönfeld bei Schnabelwaid (1901-1995)

    Der Gründer der Konzertina-Werkstatt in Schönfeld bei Schnabelwaid war Andreas Hader (1870-1954). Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen einer oberfränkischen Bauernfamilie. Der in Seidwitz bei Creußen am 26. Mai 1870 geborene Andreas Hader (1870-1954) absolvierte eine Instrumentenbaulehre in Klingenthal bei der Firma Birnstock, erlernte dort das Konzertinaspiel, legte seine Gesellenprüfung ab und zog bald darauf nach Schnabelwaid. 1901 gründete er im benachbarten Schönfeld eine Werkstatt für den Konzertinabau. Die hergestellten Instrumente brachte er mit einem Fahrrad in der näheren Umgebung von Erbendorf bis nach Tirschenreuth zum Verkauf. Er selber komponierte für die Konzertina zahlreiche Walzer, Ländler, Rheinländer und Schottische und verkaufte diese Kompositionen mit dem Instrument. Die Musikstücke schrieb er selber in Ziffernnotation nieder und brachte diese als hektographierte Blätter zum Verkauf, nicht ohne zuvor die Käufer auch im Konzertinaspiel zu unterrichten. Hauptabnehmer der Konzertina und der Musikstücke waren besonders Gastwirte, die zum Teil selber die Konzertina zur Unterhaltung für ihre Gäste zu spielen begannen. Daneben führte Hans Hader in seinem Hause in Schönfeld Konzertina-Kurse für Kinder durch. Ihm war bewusst, dass der Bau der Instrumente, das Angebot von Musiknoten und die Ausbildung von Nachwuchsspielern für die Zukunft seiner Geschäfte wichtig war.

    Andreas, der älteste Sohn von Hans Hader, bildete sich zuerst zum Schreiner aus, um in den Fußstapfen seines Vaters ebenfalls das Handwerk eines Instrumentenbauers in Klingenthal zu erlernen. Zusätzlich qualifizierte er sich mit der Gesellenprüfung als Instrumentenbauer für Konzertina und Einheitsbandonion. Mit seiner Rückkehr nach Schönfeld wurde die Werkstatt vergrößert und mit neuen Maschinen bestückt. Das Geschäft florierte derart, dass neben den Familienmitgliedern auch zehn zusätzliche Hilfskräfte eingestellt werden konnten. Das Unternehmen unterhielt alsbald Geschäfte und Vertretungen in Helmbrechts, Hollfeld, Auerbach, Pegnitz und Bayreuth. Nach dem Schneeballprinzip unterrichteten die lokalen Anbieter ihre Käufer zugleich im Konzertinaspiel. Dies ist einer der Gründe, weswegen, die Konzertina in Oberfranken und in der benachbarten Oberpfalz so beliebt geworden war.

    Während des Zweiten Weltkrieges gingen die Geschäfte schlecht. Hans Hader wurde eingezogen; er übergab 1932 den Betrieb an seinen Sohn Andreas. Die Werkstatt wurde am 18. April 1945 im Zusammenhang mit SS-Männern, die sich gegen die heranrückenden Amerikaner verteidigen wollten, beschossen und brannte bis auf die Grundmauern nieder.
    Hans Hader kehrte unversehrt aus dem Krieg zurück und begann mit dem Wiederaufbau der Werkstatt. Mit Geld, das er sich vorerst als Musikant wieder verdient hatte und mit einem Kredit ausgestattet, konnte er ab 1949 wieder Konzertinas und ab 1980 mehr und mehr auch Akkordeons produzieren. Wie schon zuvor wurden alle Holzarbeiten und Metallbearbeitungen in der eigen Werkstatt hergestellt. Andreas Hader starb 1954 und sein Sohn Hans 1995. Nach dem Tod von Hans Hader wurde die Fabrikation eingestellt.

    Die vollständig erhaltene Werkstatt für Konzertinas und Akkordeons steht heute noch in Schönfeld. Erhalten sind Holzlager, Zuschneideraum, Schreinerei, Einrichte, Stimmbank; alle Maschinen, Stanzwerkzeuge, Bandsägen, Drechselbank, Hobel- und Werkbänke, Balg- und andere Pressen, Bohrer und Schneiden sowie die unterschiedlichsten Werkzeuge wie Hobel, Scheren, Zangen, Schraubenzieher, Hämmer, Zwingen usf. Eine Fülle von diversen Konzertina-Bauteilen finden sich noch vor und vermitteln einen Querschnitt zu den unterschiedlichen Phasen der Verarbeitungsprozesse. Die Tochter von Hans Hader, Frau Paula Bendert (geb. Hader), war über viele Jahre am Betrieb beteiligt, hatte sie sich doch sach- und fachkundig durch ihren Großvater und Vater in die Geheimnisse des Instrumentenbaus einführen lassen. Auch heute noch ist sie ab und zu behilflich, wenn es gilt, einzelne Teile einer Konzertina zu ersetzen oder zu reparieren.